Der Frondienst der Qin begann mit einer Abrechnung. Die Statuten über den Frondienst(徭律, die Vorschriften über die Dienstpflicht) aus dem Grab von Shuihudi(睡虎地) beginnen mit einer Staffel von Strafen: „Wird von der Zentrale ein Aufgebot erlassen und der Mann geht nicht, so büße er zwei Rüstungen. Kommt er drei bis fünf Tage zu spät, so verweise man ihn; bei sechs bis zehn Tagen büße er einen Schild; über zehn Tage hinaus büße er eine Rüstung. Macht Regen die Arbeit unmöglich, so hebe man das Aufgebot auf.“
Das Aufgebot und der Zuspätkommende
Liest man die Stelle Stufe für Stufe, so ist das Vergehen nicht ein einziger Klumpen namens „nicht gekommen“, sondern eine Staffel der Verspätung, vom gesprochenen Verweis bis zur Rüstung. Die Einheiten sind Rüstung und Schild, nicht Geld und nicht Getreide – eine Umrechnung in heutiges Geld wird hier nicht versucht. Die vier Schriftzeichen zum Regen wiegen mehr: Wenn das Wetter die Arbeit blockiert, wird das Aufgebot aufgehoben, und der Mann gilt nicht als entlaufen. Die Staffel legt auch fest, was eine Strafe ihrer Art nach war: Rüstungen und Schilde, Dinge, die ein Mann besitzen oder erst kaufen musste, keine zusätzlichen Arbeitstage.
Doch das ist ein Statut, keine Vollzugsakte. Wie viele Männer in einem Jahr aufgeboten wurden, wie viele tatsächlich zu spät kamen, wie viele Rüstungen eingezogen wurden – die Lamellen sagen es nicht; auch eine landesweite Gesamtzahl der Arbeitskräfte oder der Arbeitstage geben sie nicht. Lesbar ist eine Regel, wie zu strafen ist, nicht ein Buch darüber, wie viel gestraft wurde.
Die Bauten und ihre Gewähr
Dasselbe Statut regelt dann die Qualität: „Wer Arbeitskräfte aufbietet, um die Mauern einer Stadt zu bauen, der lasse sie die Mauer ein Jahr gewährleisten. Bricht sie vor Ablauf des Jahres, so sind der Leiter der Arbeiten(司空, der Beamte, der die Arbeit beaufsichtigt) und die Männer, die für die Mauer verantwortlich sind, schuldig; man lasse dieselben Arbeitskräfte sie neu bauen, und das zähle nicht als Frondienst.“ Ein Jahr Gewähr, eine Haftung, die Beamte wie Arbeiter trifft, und ein Wiederaufbau, der die Dienstzeit des Arbeiters nicht verbraucht. Die Regel verlagert das Risiko schlechter Arbeit auf die Beamten und auf dieselbe Kolonne, aber nicht auf die Dienstzeit: Die Mauer wird neu gebaut, und der Kalender seines Frondienstes wächst nicht.
Dasselbe Kapitel überträgt die Logik auf die Mauern von Parks und der staatlichen Pferde- und Rindergehege: Bricht eine ausgebesserte Mauer innerhalb des Jahres, so bietet die Kreisbehörde erneut Arbeitskräfte auf, und „es zählt nicht als Frondienst“; bricht sie erst nach Ablauf des Jahres, so lässt der Kreis ein Stück über drei Du(堵) ausbessern, ein kürzeres Stück bessert der Park selbst aus. Die Haftung wird nach der Gewährfrist geteilt, und die Nachbesserung bleibt außerhalb der Liste des Arbeiters – eine Verwaltung, die über Menschen Buch führt.
Wie die Arbeit gemessen wurde
Was dann folgt, ist die Sprache der Prüfung: „Für die laufenden Arbeiten des Kreises und für Arbeiten, die auf Vorlage hin genehmigt sind, schätzt der Beamte die Arbeit; liegt die Schätzung um zwei Tage zu hoch oder zu niedrig, so ist das ein Fehler der Aufsicht. Dasselbe gilt, wenn eine höhere Stelle eine Arbeit falsch schätzt. Das Messen der Arbeit muss der Leiter der Arbeiten gemeinsam mit dem Handwerker vornehmen; der Handwerker allein darf es nicht. Ist die Messung ungenau, so wird der Messende nach dem Statut behandelt, und die tatsächliche Menge der Arbeit wird den Arbeitskräften angerechnet.“ Zwei Tage zu viel oder zu wenig sind bereits ein Fehler: Die Toleranz wird in Arbeitstagen gemessen, was heißt, dass die Schätzung selbst ein Schriftstück mit Folgen war.
Der Frondienst war also nicht einfach „die Männer kommen und graben“: Die Arbeit wurde zuerst in Gong(功, Arbeitseinheit) umgerechnet, dann wurden Leute zugeteilt, Buch geführt und gegen diese Umrechnung geprüft. Darum kennt der Text Wörter für das Schätzen der Arbeit(程功), das Messen der Arbeit(度功) und für zu viel oder zu wenig. Wie viel Erde ein Mann an einem Tag bewegte, wie viele Zhang(丈) Mauer er baute, sagen die Statuten über den Frondienst nicht; solche Quoten gehören in andere Kapitel, und hier wird keine erfunden.
Ein Tag zu acht Cash
Die Statuten über öffentliche Arbeiten(司空) enthalten eine weitere Umrechnung: „Wer eine Buße schuldet oder Schulden beim Amt hat und am festgesetzten Tag nicht zahlen kann, der arbeitet sie tageweise ab: acht Cash am Tag; wenn das Amt ihn verpflegt, sechs Cash am Tag.“ Dasselbe Kapitel bepreist die Ablösung der Verbannung mit acht Cash am Tag. Das ist genau zu lesen: Es ist Arbeit, mit der man bezahlt, was man schuldet, kein Lohn für Frondienst; die Betroffenen sind Schuldner und Leute, die eine Strafe ablösen, keine gewöhnlichen Aufgebotenen. Die zwei Cash Unterschied zwischen dem Satz mit und ohne Verpflegung sind, genau genommen, der Preis, den das Amt für die Verpflegung eines Arbeiters pro Tag ansetzte.
Trotzdem zeigt es, wie die Verwaltung dachte: Ein Tag Arbeit war eine umrechenbare Zahl im Rechnungsbuch. Dasselbe Gesetz bestimmt auch, dass Sträflinge(城旦舂), die zum Frondienst geschickt werden, den Markt nicht betreten und an seinen Toren nicht verweilen dürfen und einen Bogen machen müssen, wenn ihr Weg ihn quert; und dass Männer, die eine Schuld abarbeiten(居作, das Abarbeiten durch Arbeit), zur Feldarbeit nach Hause geschickt werden, je zwanzig Tage zur Saat und zum Jäten. Einen Schuldner zur Saat und zum Jäten heimzuschicken, verschafft dem Staat beides: die Arbeit und die Ernte.
Die andere Seite: die großen Bauten
Jenseits der Statuten steht der Umfang der Bauten selbst. Die Annalen des Ersten Kaisers im Shiji(史记, die Aufzeichnungen des Großhistorikers): „Die vom ‚verborgenen Palast‘ und die Sträflingsarbeiter, mehr als siebenhunderttausend, wurden auf den Epang-Palast(阿房宫) und den Berg Li(骊山) verteilt. Steine wurden an den nördlichen Hügeln gebrochen, und Holz aus Shu und Jing wurde herbeigeschafft.“ Diese Zahl stammt von einem Schreiber der Westlichen Han, nicht aus einem qinzeitlichen Arbeitsregister; der Begriff, der als „verborgener Palast“ wiedergegeben wird(隐宫), ist umstritten, und dieser Beitrag zitiert ihn, ohne sich zu entscheiden. Getreiderationen, die in die Statuten über die Speicher gehören, bleiben hier bewusst ausgespart. Dieselbe Stelle fügt hinzu, innerhalb der Pässe seien dreihundert Paläste gezählt worden, außerhalb mehr als vierhundert.
Festhalten lässt sich hier also nur die Ebene der Statuten: gestaffelte Strafen für Verspätung in Rüstungen und Schilden, das Aufheben des Aufgebots bei Regen, ein Jahr Gewähr auf Mauern, Nachbesserung, die nicht als Frondienst zählt, eine Arbeit, die das Amt für öffentliche Arbeiten gemeinsam mit dem Handwerker misst, ein Tag Arbeit zu acht oder sechs Cash. Nicht festhalten lässt sich: eine landesweite Gesamtzahl der Arbeitskräfte oder der Arbeitstage, die tatsächliche Last eines Haushalts, eine Umrechnung der acht Cash in Kaufkraft – oder Dong Zhongshus (董仲舒) Zahl im Traktat über Wirtschaft des Buchs der Han (《汉书·食货志》): der Frondienst der Qin habe „dreißigmal so viel wie einst“ betragen. Was die Qin hinterließen, ist keine Kopfzahl, sondern eine Sprache, die Menschen in Tage, Arbeitseinheiten und Cash übersetzt. Eine Strafstaffel, eine Gewähr, eine Prüfregel und ein Tagessatz: das sind die Werkzeuge einer Regierung, die zu rechnen gedachte, und sie sind es, die überliefert sind.
Quellen und weitere Lektüre
- 《睡虎地秦墓竹简·徭律、司空》(秦;维基文库录文本,两篇同书合并为一条) — Qin statutes, not a record of how the levies fell: the 徭律 opens with penalties for failing to answer a central levy (two suits of armour), for lateness (a reprimand; then a shield; then a suit of armour), and exempts men when rain makes the work impossible. It requires walls built by conscript labour to be guaranteed for a year, with rebuilding not counted as corvée; it fixes who checks the work-quota ('the superintendent of works and the craftsman must measure together') and how miscounts are punished; and it orders that the real amount of work be counted against the labourers. The 司空 law prices labour used to redeem fines and debts at eight cash a day, or six when the office feeds the man, and bars convicts sent out on corvée from the marketplace. Food and grain rations are deliberately not used here (they belong to the 倉律 material). The 司空 law is on the same site at 睡虎地秦簡/司空.
- 司马迁《史记》卷六·秦始皇本纪(西汉;维基文库本) — A Western Han narrative of the Qin works: 'Those of the hidden palace and the convict labourers, more than seven hundred thousand, were divided between the Epang palace and Mount Li. Stone was cut on the northern hills, and timber from Shu and Jing was brought.' The figure is a Han writer's, not a Qin register; the reading of 隱宮 is disputed, and the article quotes the phrase without deciding it.
- 《汉书》卷二十四上·食货志上(东汉班固;董仲舒语) — Dong Zhongshu on Qin: 'in addition they made a month a turn of service, after which came the regular duty, one year of garrison, one year of labour service, thirty times antiquity; the land tax, the poll levy and the profits of salt and iron, twenty times antiquity.' Used only as a Han estimate of Qin service, not as a Qin register.




