An der Südwestecke der Stätte von Linzi(临淄)hebt sich der Boden, und dort treffen die beiden Mauern aufeinander: Die größere Stadt misst von Nord nach Süd fast 4,5 Kilometer und von Ost nach West fast 4; die kleinere Stadt misst 1,4 × 2,2 Kilometer, liegt auf der südwestlichen Hochfläche der größeren Stadt, ein Teil von ihr innerhalb der größeren Mauer. Zusammen messen sie im Umfang etwa 21 Kilometer. Die Stätte liegt in der Ebene des heutigen Zibo(淄博)in Shandong(山东). Die Zahlen stammen aus einer Bestandsaufnahme im Jahrbuch von 1988, die Erkundungen und kleine Grabungen seit 1964 zusammenfasst — nicht aus einem Grabungsbericht, der diesem Artikel nicht vorlag.
Zwei Mauern
Die Lage ist wichtig und leicht falsch zu beschreiben. Die kleinere Stadt liegt nicht einfach „in“ der größeren: Sie steht im Südwesten, zum Teil in den Südwestwinkel der größeren Stadt eingesenkt, auf der Hochfläche. Die Bestandsaufnahme nennt die kleinere Stadt die Palaststadt des Herrschers; das ist ein Urteil, keine Messung, und wird hier als solches gekennzeichnet. Nördlich der kleineren Stadt liegen große Stampflehmfundamente, beschrieben als das Hauptpalastareal — wieder die Lesart des Verfassers der Bestandsaufnahme. Die Bestandsaufnahme teilt die beiden Mauerringe auch nach Funktion: die größere Stadt als Bereich, in dem Beamte und einfache Leute lebten und arbeiteten, die kleinere als den des Herrschers. Das ist eine Zusammenfassung des Grundrisses, kein Grabungsbeweis.
Die Mauern stehen stellenweise noch. Sie sind aus Stampflehm, Schicht auf Schicht, die Spuren des Stampfens noch sichtbar; die erhaltenen Abschnitte stammen vor allem aus der Zeit der Streitenden Reiche. „An manchen Stellen sind sie bis zu 5 Meter hoch“ — an manchen Stellen, nicht im Durchschnitt. Der Mauerring hat 24 Ecken, weil die Mauern dem Gelände und den Flussufern folgen statt gerader Linien. Die Fundamente verraten mehr über die Arbeit als die Höhe: in der kleineren Stadt 20–30 Meter breit, bis zu 50–67 Meter; in der größeren über 20 Meter, bis zu 43 Meter. Ein Sockel von 50 bis 67 Metern ist keine Mauer, die man von der Straße aus sieht; es ist ein Erdwall, so breit wie eine Straße, um einen Umfang von 21 Kilometern geführt. Die Bestandsaufnahme macht keine Angaben zum Arbeitseinsatz, nennt keine Daten innerhalb der Zeit der Streitenden Reiche, keine Abfolge von Umbauten.
Tore und Straßen
Das Qi ji(《齐记》), eine ältere Aufzeichnung, nennt für die Stadt 13 Tore. Nachgewiesen sind 11 — fünf in der kleineren Stadt, sechs in der größeren. Die Durchgangsbreiten liegen alle über 8,2 m und erreichen 20,5 m. Im Inneren sind zehn Hauptstraßen nachgewiesen, drei in der kleineren Stadt und sieben in der größeren, „die meist zu den Toren führten“. Zwei Zahlenreihen, getrennt gehalten: 13 in der Aufzeichnung, 11 auf dem Boden. Zehn Straßen für einen Umfang von 21 Kilometern sind nach späteren Maßstäben ein dünnes Netz; die Bestandsaufnahme sagt nur, dass sie meist zu den Toren führten, nicht dass sie sich im rechten Winkel kreuzten oder die Stadt gleichmäßig teilten.
Kein Tor hat in dem hier verwendeten Material einen Namen. Die 13 wird nicht an die 11 angeglichen, und es wird kein Mittelwert gebildet. Was die Breiten sagen, ist, dass es Wagentore waren; was sie nicht sagen, ist, wie der Verkehr geregelt wurde oder was neben ihnen stand. Die 24 Ecken und die Neigung der Mauern, entlang des Flusses zu biegen, zeigen, dass der Mauerring dem Gelände und dem Wasser folgte; ob zum Hochwasserschutz oder zur Verteidigung, sagt das Material nicht, und notiert ist allein, dass die Mauern dem Gelände folgten.
Vier Abflüsse
Der technische Kern ist klein: Vier Abflussöffnungen sind gefunden worden. Die Bestandsaufnahme sagt, die natürlichen Flüsse, der Stadtgraben und die Kanäle in der Stadt bildeten „ein vollständiges Entwässerungsnetz“ — die Formulierung stammt vom Verfasser der Bestandsaufnahme und wird als solche zitiert. Keine Öffnung hat eine veröffentlichte Breite, Tiefe oder Richtung. Vier Öffnungen für einen Umfang von 21 Kilometern sind ebenfalls eine kleine Zahl; die Bestandsaufnahme sagt nicht, ob es die einzigen waren oder ob andere nicht gefunden wurden.
Dennoch ist die Vier eine Form. Draußen ein Fluss, herum ein Graben, innen Kanäle: Die Auslässe sind die Stellen, wo ein System auf ein anderes trifft, und sie sind der Teil, den die Archäologie tatsächlich finden kann. Eine Zeichnung kann das ganze Netz zeigen; der Boden liefert vier Anschlüsse und die Behauptung, dass sie zusammenwirken.
Innerhalb der Mauern
Im Norden der kleineren Stadt liegen große Stampflehmfundamente, nach der Lesart der Bestandsaufnahme das Hauptpalastareal. Darin erhebt sich die Huan-Gong-Terrasse(桓公台)14 Meter hoch und 86 Meter lang von Nord nach Süd, der höchste Punkt der ganzen Stätte. Die Bestandsaufnahme gibt Höhe und Nord-Süd-Länge der Terrasse an, sonst keine Dimension. Im Süden der größeren Stadt, bei Liujiazhai(刘家寨), wurden zahlreiche Siegel und Siegelabdrücke aus Ton gefunden, die aus der frühen Han-Zeit stammen und eine Amtsstelle jener Zeit belegen; die Bestandsaufnahme schließt daraus, dass auch die Ämter der Streitenden Reiche dort lagen.
Das Handwerk ballte sich in der größeren Stadt, im Nordosten und gegen den mittleren Westen hin: sechs Eisen-, zwei Bronze-, zwei Münz-, vier Knochenwerkstätten — Fundstellen, nicht Produktion. Es sind verstreute Schlacken, Bruchstücke und Fundamente, keine in Betrieb angetroffenen Werkstätten; die Bestandsaufnahme nennt keine Produktionszahlen, keine Datierung innerhalb der Epoche, keine Zahl der Arbeiter. Linzi war von 859 v. Chr. bis 221 v. Chr. die Hauptstadt von Qi(齐), mehr als 630 Jahre; in einem Friedhof aus der Zeit der Frühlings- und Herbstannalen an der Nordostecke enthielt eine Wagen- und Pferdegrube 145 Pferde, ein hier vermerkter, nicht weiter ausgeführter Befund.
Der Text und der Boden
Die berühmte Beschreibung steht in der Rede, mit der Su Qin(苏秦)den König von Qi zu überreden suchte: „Linzi hat 70.000 Haushalte; drei Männer je Haushalt ergeben 210.000 Soldaten, ohne dass ferne Kreise aufgeboten werden müssten.“ Auf seinen Straßen, sagt er, „schlagen die Radnaben aneinander, die Schultern reiben sich; verbundene Ärmel bilden einen Vorhang, gehobene Säume ein Zeltdach, der Schweiß fällt wie Regen.“ Das ist Rhetorik, gebaut, um zu überzeugen; zitiert wird sie als zeitgenössisches Bild, nicht als Volkszählung, und sie wird nicht in Bevölkerungszahlen umgerechnet oder mit dem gemessenen Umfang abgeglichen. Seine Arithmetik ist seine eigene: drei erwachsene Männer je Haushalt sind eine Annahme, und die 210.000 sind eine Zahl für eine Rede. Die Stelle taugt für eines: Sie zeigt, wie sich eine große Stadt für einen Überredungskünstler der Streitenden Reiche anhören musste.
Die Grenzen: Die kleinere Stadt wird nicht als Palaststadt ausgegeben; das „neun li im Quadrat“ des Kaogong ji(《考工记》)dient nicht als Messgrundlage; 13 und 11 werden nicht zusammengelegt; Kilometer und Meter bleiben wie angegeben; keine Fläche wird berechnet; keine Tornamen werden erfunden; kein Arbeitsaufwand, keine Kosten, keine Dauer werden ergänzt; es wird nicht behauptet, Linzi sei die größte Stadt der Epoche gewesen; und keine andere Hauptstadt wird zum Vergleich herangezogen. Das „neun li im Quadrat“ des Kaogong ji ist ein rituelles Ideal und wird hier nicht als Messung verwendet. Der Plan einer Hauptstadt der Streitenden Reiche wird aus ihren Maßen und ihren Anschlüssen gelesen, nicht aus einer klassischen Formel.
Quellen und weitere Lektüre
- 《山东年鉴》1988·文物·「临淄齐国故城」条(焦德森撰;山东省情库存档)(Shandong Yearbook 1988, entry on the Qi capital at Linzi) — Yearbook survey article, not an excavation report: it summarizes surveys and small-scale digs since 1964. Two walled cities with a circuit of about 21 km; the greater city about 4.5 km north-south and 4 km east-west; the lesser city 1.4 by 2.2 km, set into the south-western high ground of the greater one; surviving walls mainly Warring States, up to 5 m high in places, foundations 20-30 m wide (up to 50-67 m) in the lesser city and over 20 m (up to 43 m) in the greater; the Qi ji records 13 gates, 11 traced, passage widths over 8.2 m and up to 20.5 m; ten main roads traced; four drain outlets linking rivers, moat and city channels; the Huan Gong terrace 14 m high and 86 m north-south; six iron, two bronze, two mint and four bone workshops. The identification of the lesser city as the palace city is the survey's judgement.
- 刘向编《战国策》卷八·齐一·苏秦为赵合从说齐宣王(士礼居丛书本)(Liu Xiang ed., Zhanguo ce, juan 8, Su Qin's persuasion of the king of Qi) — Rhetoric, not statistics: Su Qin tells the king of Qi that Linzi has 70,000 households, that three men a household would give 210,000 soldiers without drawing on outlying counties, and that on its roads 'chariot hubs strike and shoulders rub; joined sleeves make a curtain, raised hems a canopy, sweat falls like rain'. Quoted only as a contemporary description, never converted into population figures or set against the measured dimensions.




