Das Hou Han shu (《后汉书》), Kapitel über die vorbildlichen Frauen, berichtet von Huan Shaojun (桓少君). Ihr Vater war Lehrer und gab sie, mit reicher Mitgift, dem armen Studenten Bao Xuan (鲍宣) zur Frau; Bao Xuan war darüber nicht erfreut. Daraufhin gab sie die zum Brautgut gehörenden Dienerinnen und die feinen Kleider vollständig zurück, kleidete sich in einen kurzen Stoffrock und zog mit ihrem Mann den Handkarren (luche 鹿车) in die Heimat zurück. Als sie zu Hause die Schwiegermutter begrüßt hatte, „nahm sie den Krug und ging hinaus, um Wasser zu schöpfen“ (ti weng chu ji 提甕出汲). Aufgeschrieben ist eine Kette von Handlungen: die Kleider zurückgeben, den Stoffrock anziehen, den Karren ziehen, den Krug heben. Der Verfasser fügte nur einen Satz hinzu – „sie übte den Weg der Ehefrau, und die Gemeinde pries sie“ (修行妇道,乡邦称之); was sie dabei dachte, davon steht kein Wort.
Drei Tage alt
Die Regeln für ein solches Leben schrieb eine Frau, die selbst so gelebt hatte. Ban Zhao (班昭), Tochter des Ban Biao (班彪) und Schwester des Historikers Ban Gu (班固), war so gelehrt, dass Kaiser He (和帝) sie an den Hof rief und Kaiserin und hohe Damen ihr mit den Ehren eines Lehrers begegneten; man nannte sie die „Große Dame“ (dajia 大家). Mit vierzehn diente sie „mit Besen und Kehrschaufel“ im Hause Cao (执箕箒于曹氏); mehr als vierzig Jahre später schrieb sie die sieben Kapitel der Nüjie (《女诫》, Ermahnungen für Frauen) für die Töchter, die heiraten sollten und in den weiblichen Pflichten nicht unterwiesen worden waren – im Vorwort heißt es: „Es schmerzt mich, dass meine Töchter nun heiraten sollen und nicht allmählich unterwiesen wurden“ (伤诸女方当适人,而不渐训诲), darum ließ sie jede „ein Exemplar abschreiben“ (各写一通). Das ist keine vom Hof erlassene Ordnung, sondern der Brief einer Mutter. Das erste Kapitel beginnt beim dritten Tag nach der Geburt: „In alter Zeit wurde ein Mädchen drei Tage nach der Geburt unter das Bett gelegt, ihm eine Wirtel aus Ton (wazhuan 瓦塼) zum Spielen gegeben und den Vorfahren Meldung erstattet“ (古者生女三日,卧之牀下,弄之瓦塼,而斋告焉). Jede der drei Handlungen hat ihre Auslegung: unter dem Bett – ihre Niedrigkeit wird deutlich, sie ist dazu da, anderen zu dienen; die Wirtel – Mao Chang (毛苌) erklärt „Wa, das ist eine fangzhuan“ (瓦,纺塼也), also eine Tonwirtel, und das bedeutet: sie wird an die Arbeit gewöhnt und zum Dienst angehalten; die Meldung an die Vorfahren – sie soll die Opfer weiterführen. Das erste Ding, das man ihr am dritten Tag in die Hand legte, war die Wirtel.
Darauf folgt der Tageslauf: „Spät zu Bett, früh auf; scheue weder Nacht noch Morgen; verrichte die eigenen Geschäfte und weigere dich keiner Arbeit, sei sie schwer oder leicht“ (晚寝早作,勿惮夙夜,执务私事,不辞剧易). Das vierte Kapitel handelt von den vier Tugenden – Tugend, Rede, Haltung, Arbeit – und definiert jede nach unten: Die Tugend muss nicht durch Geistesklarheit hervorragen, die Rede nicht durch Beredsamkeit, die Haltung nicht durch Schönheit, die Arbeit nicht durch überlegene Kunstfertigkeit. Für die Arbeit bleiben nur zwei Dinge: „mit ganzem Sinn spinnen und weben, nicht auf Scherz und Lachen aus sein; Wein und Speisen sauber und geordnet, um Gäste zu bedienen“ (专心纺绩,不好戏笑,絜齐酒食,以奉宾客).
Vier Tugenden und das Herz der Schwiegereltern
Das sechste Kapitel, „Gehorsam im Widerspruch“ (qucong 曲从), sagt es am deutlichsten: „Sagt die Schwiegermutter, es sei nicht so, und es ist doch so, sollst du ihrem Wort folgen; sagt sie, es sei so, und es ist nicht so, sollst du ihr gleichfalls gehorchen. Du darfst nicht über Recht und Unrecht streiten und nicht entscheiden wollen, was krumm und was gerade ist“ (姑云不尔而是,固宜从令;姑云尔而非,犹宜顺命。勿得违戾是非,争分曲直). Das siebte Kapitel gibt den Grund: Ob eine Frau beim Ehemann Ansehen hat, hängt davon ab, ob die Schwiegereltern sie lieben; ob sie sie lieben, hängt davon ab, ob die jüngeren Geschwister des Mannes (shumei 叔妹) gut von ihr reden. Ein Hausbuch, für Töchter geschrieben, ist weithin eine Anleitung, wie man im Urteil eines fremden Hauses bestehen kann.
Es bewahrt auch den Spruch der Zeit: „Wird ein Sohn wie ein Wolf geboren, fürchtet man noch, er werde schwach; wird eine Tochter wie eine Maus geboren, fürchtet man noch, sie werde ein Tiger“ (生男如狼,犹恐其尪;生女如鼠,犹恐其虎). Und Ban Zhao hinterlässt eine Zeile über sich selbst: „Mit vierzehn Jahren hielt ich Besen und Kehrschaufel im Hause Cao; das ist nun über vierzig Jahre her“ (年十有四,执箕箒于曹氏,于今四十余载矣).
Der Webstuhl
Das andere Register ist Erzählung. Das Hou Han shu berichtet von der Frau des Yue Yangzi (乐羊子); nicht einmal der Name ihrer Familie ist überliefert. Ihr Mann fand unterwegs ein Stück Gold und brachte es nach Hause; sie wollte es nicht anrühren. Er ging zum Studieren fort und kam nach einem Jahr zurück: er habe Heimweh. Da nahm sie ein Messer und trat an den Webstuhl: „Dieses Gewebe entsteht aus Seidenkokons und wird auf Rahmen und Schiffchen gemacht … Faden um Faden wird ein Zoll, Zoll um Zoll ohne Aufhören ein Stück Tuch von mehreren Fuß. Würde man dieses Gewebe jetzt zerschneiden, so wäre die bisherige Arbeit verloren und die Monate wären vertan“ (此织生自蚕茧,成于机杼……累寸不已,遂成丈匹。今若断斯织也,则捐失成功,稽废时月). Der Originaltext sagt yin dao qu ji (引刀趋机) – das Messer ziehen und an den Webstuhl treten –, nicht das später zum Sprichwort gewordene „den Webstuhl zerschneiden, um das Kind zu lehren“. Daraufhin ging er zurück und blieb sieben Jahre fort.
Webstuhl und Speisen sind zwei Seiten derselben Sache. Die Frau des Yue Yangzi schneidet das Tuch, damit der Mann es sieht; die Frau des Jiang Shi (姜诗) spinnt Tag und Nacht, kauft auf dem Markt Leckerbissen und lässt sie durch die Nachbarin zur Schwiegermutter bringen. Was in der Nüjie abstrakt bleibt – „mit ganzem Sinn spinnen und weben“, „Wein und Speisen sauber und geordnet“ –, wird in den Erzählungen zu einem Webstuhl und zu einem Paket gekauften Essens, das man nebenan abgibt.
Wasser, sechs oder sieben Li entfernt
Die konkreteste körperliche Arbeit in diesen Texten ist das Wasserholen. Huan Shaojun nimmt den Krug, sobald die Begrüßung vorbei ist. Die Schwiegermutter der Jiang Shi trank gern Flusswasser, und der Fluss war sechs oder sieben Li vom Haus entfernt; die Frau ging „stromaufwärts, um zu schöpfen“ (su liu er ji 泝流而汲). Einmal hielt der Wind sie auf, die Alte bekam Durst, der Mann machte seiner Frau Vorwürfe und schickte sie fort. Sie wohnte bei einer Nachbarin, spann weiter Tag und Nacht, kaufte Leckerbissen und ließ sie durch die Nachbarin bringen, bis die Alte nach langer Zeit erfuhr, wer das Essen schickte. Später ertrank einer ihrer Söhne, als er in der Ferne Wasser holte; aus Furcht, die Alte zu betrüben, wagte sie es nicht zu sagen und gab nur an, der Junge sei zum Studieren fortgegangen.
Die Nüjie enthält keinen einzigen Satz über das Wasserholen. Nicht in den vier Tugenden, nicht in den beiden Dingen der Arbeit; auch die Formel von der Dienstpflicht (执勤) spricht nur von spätem Schlafengehen, frühem Aufstehen und davon, keine schwere oder leichte Arbeit zu scheuen – vom Wasserschöpfen ist nicht die Rede. Wasserholen erscheint allein in den Erzählungen, als der Hintergrund, vor dem eine Schwiegertochter gemessen wird: Das Wasser liegt sechs oder sieben Li entfernt, man muss stromaufwärts, ein Kind ist auf diesem Weg gestorben – und der Verfasser braucht dafür fünf Schriftzeichen: „sie ging stets stromaufwärts, um zu schöpfen“ (常泝流而汲).
Jahre später, inzwischen die alte Herrin des Hauses (太夫人), wurde sie von ihrem Enkel Bao Yu (鲍昱) gefragt, ob sie sich der Tage mit dem Handkarren noch erinnere. Sie antwortete mit den Worten ihrer Schwiegermutter: „Solange du bist, vergiss den Untergang nicht; solange du sicher bist, vergiss die Gefahr nicht. Wie dürfte ich es vergessen!“ (先姑有言:『存不忘亡,安不忘危。』吾焉敢忘乎!). Was sie behielt, war das Wort der Schwiegermutter.
Zwei Texte, zwei Siebe
Die beiden Materialien siebt jeweils anders. Die Nüjie war ursprünglich der Brief einer Mutter an ihre Töchter und wurde später ein Klassiker: Ma Rong (马融) las sie und lobte sie überschwänglich; er „ließ Frau und Töchter sie einüben“ (令妻女习焉). Fan Ye (范晔) übernahm sie vollständig in sein Kapitel über die vorbildlichen Frauen und führte sie als Werk der Ban Zhao. Und über diese Liste selbst sagt Fan Ye gleich am Anfang: „Ich habe nur die gesammelt und geordnet, deren Talent und Handeln besonders hoch und hervorragend waren; ich habe mich nicht auf eine einzige Form der Beständigkeit beschränkt“ (余但搜次才行尤高秀者,不必专在一操而已). Er schrieb im fünften Jahrhundert, in der Zeit der Südlichen Song, und benutzte Material aus der Han-Zeit, das er auswählte und umformte. Die ältere Lienü zhuan (《列女传》) des Liu Xiang (刘向) teilt sie in sieben Klassen – mütterliches Vorbild, Klugheit, Menschenfreundlichkeit, Keuschheit, Rechtschaffenheit, Beredsamkeit, verhängnisvolle Günstlinge – und stiftete damit die Form, Frauen nach Typen in ein Buch zu schreiben; ihre Geschichten stammen aber meist aus der Zeit vor den Han und dienen hier nur als Hintergrund der Gattung, nicht als Material über die Han.
Was lässt sich also sagen? Spinnen, Wasserholen, Speisen, Dienst an den Schwiegereltern kehren in der Vorschrift wie in der Ehrentafel wieder – diese Wiederholung ist ein guter Beleg dafür, dass es gewöhnliche Arbeit war. Nicht sagen lässt sich, welchen Anteil des Tages die einzelne Arbeit einnahm, in welchem Alter die meisten Frauen heirateten, wie viele Kinder sie gebaren, wie viele lesen konnten. Und auf die Frage nach „Status“ antwortet das Material nicht. Fußbindung und Keuschheitsbögen gehören späteren Jahrhunderten an und kommen hier nicht vor. Was die beiden Texte geben, ist nicht der Tag einer Han-Frau, sondern etwas Engeres: was die, die sie aufschrieben, aus ihr machen wollten, und wen sie sich zu erinnern entschieden.
Quellen und weitere Lektüre
- 班昭《女诫》(东汉;维基文库,摘自《后汉书》卷八十四) — Seven chapters written for her own daughters. Birth ritual: three days under the bed, a pottery spinning whorl to play with, an announcement to the ancestors, each with its reading. Late to bed, early to rise. The four virtues, with work defined as single-minded spinning and clean, orderly wine and food for guests. Compliance with the mother-in-law. A wife's standing comes from her parents-in-law, whose love comes from her husband's younger siblings. Her own line: at fourteen she took up the broom in the Cao house, and it is now more than forty years.
- 范晔《后汉书》卷八十四·列女传(南朝宋;维基文库) — The compiler's own filter: 'I have merely collected those whose talent and conduct were especially high and outstanding.' Huan Shaojun returns her trousseau, wears a short cloth skirt, pulls the handcart home with her husband, and after greeting her mother-in-law 'takes the jar and goes out to draw water'. Yue Yangzi's wife steps to the loom with a knife. Jiang Shi's wife draws water upstream six or seven li away, is sent away, lodges next door, spins day and night and buys delicacies for her mother-in-law; a son later drowns fetching water. Ban Zhao's own biography: the Han court's 'Great Lady'.
- 刘向《列女传》(西汉;维基文库总目) — Seven categories — motherly example, discernment, benevolence, chastity, integrity, eloquence, ruinous favourites — the earlier framework for writing women into a book. Its stories are mostly pre-Han and are used here only as background to the genre, not as Han evidence.




