In einem Hangzhouer Handbuch des dreizehnten Jahrhunderts steht eine Kapitelüberschrift, die zugleich nach Beruf und nach Schimpfwort klingt: 閒人, „Müßiggänger“. Was folgt, handelt nicht von Muße. Es handelt von einem Erwerb, und er ist gestuft. Die Definition ist beinahe juristisch: „Ursprünglich Hausgäste, die mittlere und untere Klasse im Haus des Herrn Mengchang; Männer ohne Platz im Verzeichnis der Gewerbe, die sich durch müßige Geschäfte von anderen ernähren“ (本食客也……但不着業次,以閒事而食於人者).
Ein Gewerbe, das in ein Buch geschrieben wurde
Das Meng Liang Lu hat ein Kapitel gleichen Titels, das so beginnt: „Die Müßiggänger waren ursprünglich Hausgäste; Herr Mengchang hatte dreitausend an seinem Tor, alle Gäste.“ Große Teile der beiden Texte stimmen Satz für Satz überein, bis auf wenige Zeichen. Es sind also nicht zwei unabhängige Zeugnisse: Ein und derselbe Text wurde in derselben Stadt abgeschrieben, ergänzt und neu abgeschrieben. Brauchbar ist, was die spätere Fassung hinzufügt.
Beide Bücher ordnen das Kapitel auf dieselbe Weise: danach, was einer anzubieten hatte. Wer schreiben und die Zither spielen konnte, kam zuerst; wer Vögel hielt und Insekten kämpfen ließ, danach; wer für andere lief und Geschäfte vermittelte, danach; und zuletzt die, die nichts konnten als sich hinzustellen und um Geld zu bitten. Die Skala misst nicht Geld, sondern den Abstand zur Wohlanständigkeit.
Gäste, Hauslehrer und eine lange Liste von Fertigkeiten
Die oberste Schicht wurde noch als Gast behandelt. In den großen Häusern, sagt das Meng Liang Lu, hieß, wer die Kinder unterrichtete, 館客, „Hausgast“; wer „über Altes und Neues zu reden, Gedichte zu rezitieren und Lieder zu erwidern, Schach und Zither zu spielen, Pfeile in den Krug zu werfen, zu reiten und mit wenigen Strichen Bambus und Orchideen zu malen“ verstand, war ein 食客, ein „gespeister Gast“ – und das hieß 閒人. Darunter kamen die „Söhne ohne Erfolg“: der Schrift mächtig, des Buches kundig, schreibgewandt und musikalisch, aber „in den hundert Künsten nicht bewandert“, die reiche junge Herren zu Festen begleiteten und auswärtigen Beamten und Geldbesitzern in der Hauptstadt zur Hand gingen. Noch darunter die „niederen Gesellen“, die für Freudenhäuser Briefe schrieben und Sachen brachten.
Weiter unten lebte man von seiner Fertigkeit. Das Buch zählt auf: „wie die 紐元子; die Rufe der Ausrufer nachahmen; Insekten abrichten; Musik machen; allerlei Kleinkunst; Erzählungen und Geschwätz singen; Trinkspiele und Rätsel; Wassertricks und Faustkampf; und gewandt sein im Vortragen eines Gesuchs und im Ausrichten einer Botschaft“ (如紐元子,學像生叫聲,教蟲蟻,動音樂,雜手藝,唱詞白話,打令商謎,弄水使拳,及善能取覆供過,傳言送語). Was die 紐元子 war, erklärt keines der beiden Bücher, und niemand weiß es heute sicher. Eine einzige dieser Fertigkeiten genügte für einen Platz in einem reichen Haus.
Eine weitere Gruppe hieß 棚頭, auch 習閑, „der geübte Müßiggänger“, oder schlicht 閑漢, „Müßiggänger“: „Falken auf dem Arm tragen, Sperber auf der Stange, Tauben abrichten, Wachteln kämpfen lassen, Hähne kämpfen lassen, wetten und Lebendiges fangen“ (凡擎鷹、架鷂、調鵓鴿、鬥鵪鶉、鬥雞、賭撲落生之類). Die Fassung des Meng Liang Lu ist etwas länger und fügt Kämpfe gelbköpfiger Vögel, die Haltung von hundert Insektenarten und Grillen hinzu. Nichts davon bringt etwas hervor. Es bringt das Recht hervor, bei Leuten zu sein, die man unterhält.
Der 涉兒 mit Messer und Pinzette
Die nächste Stufe trägt den merkwürdigsten Namen des Kapitels: „Es gibt noch eine Art Handwerker, der sich ganz dem Messer und der Pinzette widmet, in den Höfen ein- und ausgeht, jungen Herren den Hof macht, die unterschiedlichsten Handreichungen übernimmt, Blumen stellt und Bilder aufhängt, Geschäfte vermittelt und zweifelhafte Unternehmungen unterstützt; man nennt ihn 涉兒, was den Sinn des Durchwatens hat“ (專攻刀鑷,出入宅院……插花掛畫,說合交易,幫涉妄作,謂之涉兒,蓋取過水之意). Messer und Pinzette sind das Werkzeug des Bartschers – rasieren, auszupfen, Ohren reinigen. Der Beruf, der eines Mannes Hand ins Gesicht des Kunden brachte, brachte ihn auch ins Haus.
Der Name erklärt sich selbst: durchs Wasser waten, von einem Ufer zum anderen, übersetzen zwischen zwei Menschen und zwei Geschäften. Er hatte keinen Laden und keine Zunft. Was er hatte, war ein Gesicht, das durch die Tür kam.
Hält man diese Stelle neben das Kapitel 19 des Meng Liang Lu über die Anwerbung von Arbeitskräften, wird die Grenze sichtbar. Reguläre Arbeit lief über Vermittler und Bürgen: „Für alle gedungenen Arbeitskräfte und Männer für Dienstgeschäfte … gibt es jeweils einen 行老, der sie anleitet. Entläuft einer und nimmt Sachen mit, so wird der ursprüngliche Bürge herangezogen und zur Nachsuche geschickt“ (俱各有行老引領……有元地腳保識人前去跟尋). Pfandleihverwalter, Tavernenmeister, Sänftenträger, Köche – jeder hatte einen Vermittler und hinter ihm einen Bürgen. Der 涉兒 hatte beides nicht. Er tat dieselbe Art Arbeit, nur außerhalb der Liste. Die 閒人 sind die ungemeldete Hälfte des Arbeitsmarkts.
Der 廝波, der einen Gruß verkaufte
Die unterste Stufe hat einen Namen: 廝波. „Es gibt noch eine Sorte ohne eigentliches Gewerbe, die es sich angelegen sein lässt, zu erfahren, welches Freudenhaus Gäste hat, und herbeizueilen und zu grüßen, einzukaufen und zu bedienen, und die am See und in den Tavernen, überall wo getrunken wird, unter dem Vorwand, Weihrauch darzubringen und einen Becher zuzusprechen, Geld für den Unterhalt der Familie erbettelt – man nennt sie 廝波“ (以獻香送勸為由,乞覓贍家財,謂之廝波). Das Ducheng Jisheng schreibt „die herbeieilen und grüßen“; gemeint ist dasselbe. Was er verkauft, ist sehr leicht: ein Erscheinen, ein Kompliment.
Beide Bücher schließen die Stufe mit demselben Satz: „Beachtet man sie, sind sie unersättlich; beachtet man sie nicht, so machen sie ein freundliches Gesicht, schmeicheln sich ein, bieten all ihre Künste auf und hören erst auf, wenn sie es haben“ (若顧之則貪婪;不顧之,則強顏取奉,多呈本事,必得而後已). Die Verfasser stehen auf der Seite dessen, der angegangen wird. Diese Verachtung ist selbst Teil der Quelle: So wurden solche Leute festgehalten.
Schönheitsfallen und Diebe am helllichten Tag
Weiter unten heißt das Kapitel nicht mehr 閒人, sondern 游手, „umherstreifende Hände“. Das Wulin Jiu Shi: „In einem dicht bevölkerten Bezirk, wo Menschen in Menge sind, gibt es wahrlich viele umherstreifende und verschlagene Leute. Es gibt die sogenannte Schönheitsfalle, die Spielhölle im Pfandleihhaus, das Wasser-Verdienstbüro – und mehr dergleichen“ (有所謂美人局,櫃坊賭局,水功德局,不一而足). Drei Namen werden genannt, keiner erklärt. Wie jeder dieser Betrüge funktionierte, sagt der Text nicht; die gängigen Erklärungen sind Vermutungen. Die Quelle verbürgt nur, dass diese Dinge Namen hatten und dass Zeitgenossen sie sofort verstanden.
Der Dieb am helllichten Tag wird konkreter beschrieben: „Es gibt auch solche, die Waren kaufen und verkaufen und Falsches gegen Echtes tauschen, bis Papier zu Kleidung wird, Kupfer und Blei zu Gold und Silber, Erde und Holz zu Aromaten, verwandelt wie durch Zauber – man nennt sie Diebe am helllichten Tag“ (以紙為衣,銅鉛為金銀,土木為香藥,變換如神,謂之白日賊). Der überlieferte Text schreibt „Kupfer und Blei zu Gold und Silber“ zweimal; die Wiederholung ist ein Abschreibfehler. Wer in der Menge Beutel schneidet und Gürtelgehänge ablöst, heißt 覓貼兒. Die Banden, die durch die Straßen zogen, trugen Beinamen wie „Straßensperrender Tiger“ und „Neun Drachen“.
Die einzige Zahl der Stelle zählt die Männer, die sie jagen: das Untersuchungsamt der Hauptstadt mit seinen Kommissaren, Schreibern und den Quartierpatrouillen, „mehrere tausend Mann insgesamt, deren Amt allein die Verhaftung ist“ (凡數千人,專以輯捕為職). Tausende, eigens zum Festnehmen. Wie viele Umherstreifende es gab, wird nicht gezählt. Was sie im Jahr verdienten, wird nicht gezählt. Was nach der Verhaftung mit ihnen geschah, ebenfalls nicht.
Was uns bleibt, ist also eine Taxonomie, keine Zählung. Sie wurde von Männern der wohlanständigen Seite aufgestellt, die jedes Fach mit einem Wort festlegten – verschlagen, niedrig, halbstark –, und das Ducheng Jisheng greift bis auf den Herrn Mengchang der Zeit der Streitenden Reiche zurück, damit die Kategorie zugleich alt und ein wenig schmutzig wirke. Wie eine Stadt die Menschen verdaute, für die sie keinen Platz hatte, steht auf diesen wenigen Seiten: Namen geben, in eine Reihe stellen, einigen tausend Schergen übergeben.
Quellen und weitere Lektüre
- 耐得翁《都城纪胜》「闲人」(Nai Deweng, Ducheng Jisheng, section "Idle Persons") — The definition of the 闲人 as a man with no occupational slot, and the five grades from cultured hanger-on to incense-offering beggar.
- 吴自牧《梦粱录》「闲人」(Wu Zimu, Meng Liang Lu, section "Idle Persons") — The later, fuller version of the same chapter, adding the 馆客, the cricket-fighting 闲汉 and the name 厮波.
- 周密《武林旧事》卷六「游手」(Zhou Mi, Wulin Jiu Shi, juan 6, "Idlers") — The confidence tricks — 美人局, 柜坊赌局, 水功德局 — the 白日贼 who pass paper for cloth and lead for silver, and the thousands of police employed against them.
- 吴自牧《梦粱录》卷十九「顾觅人力」(Wu Zimu, Meng Liang Lu, juan 19, "Hiring Labour") — The licensed hiring route through 行老 brokers and guarantors, which the 闲人 by definition stood outside of.




