Das Objekt wiegt 832,84 Kilogramm. Es ist 133 Zentimeter hoch bis zur Oberseite der Henkel, 116 Zentimeter lang und 79 Zentimeter breit, und es wurde in der Regierungszeit von Wu Ding (武丁) gegossen, einem Shang-König des späten 13. Jahrhunderts v. Chr. Heute steht es im Nationalmuseum von China und heißt dort Hou Mu Wu ding (后母戊鼎); für den größten Teil des 20. Jahrhunderts lief es unter dem Namen Si Mu Wu ding (司母戊鼎). Was seine Herstellung verlangte, ist der am besten dokumentierte Vorgang der Shang-Industriegeschichte: Körper und vier Beine wurden in einem Guss geformt, und allein der Körper brauchte acht gebrannte Tonformstücke, jedes Bein drei weitere, Boden und Innenraum je vier; die beiden Henkel wurden anschließend angegossen, indem man Formmasse um den fertigen Körper legte. Der Metallaufwand ist Arithmetik: Der Rohstoff kam auf über 1000 Kilogramm, ein Tiegel der Zeit fasste etwa 12,5 Kilogramm Bronze, also brauchte der Guss mehr als siebzig Tiegel und nach einer Schätzung zwischen 100 und 300 Menschen, die gleichzeitig arbeiteten.

Ein Rezept, eine Form und ein Name

Die Analyse des fertigen Metalls ergibt 84,77 Prozent Kupfer, 11,64 Prozent Zinn und 2,79 Prozent Blei – ein Verhältnis, das nach dem Bericht der Guangming Daily dem nahekommt, was der Kaogong ji (考工记), ein Handwerkshandbuch aus der Zeit der Streitenden Reiche, für Kessel vorschreibt. Der Vergleich lohnt gerade wegen des Abstands. Ein Gießer der Shang-Zeit und ein Autor der Streitenden Reiche, vielleicht sieben Jahrhunderte auseinander, arbeiten in derselben praktischen Spanne. Und der Name verdient Sorgfalt. Das Nationalmuseum verwendet heute 后母戊; die ältere Lesung 司母戊 begegnet weiterhin häufig. Die meisten Fachleute, so die Darstellung des Museums, ziehen 后 vor und lesen es im Sinn des 后 aus 皇天后土, eines Ehrentitels, sodass die Inschrift ungefähr „dieses große Gefäß für die Mutter Wu“ bedeutet. Das ist eine fachliche Präferenz, keine endgültige Korrektur; beide Namen sind im Gebrauch.

Die Formen selbst waren eine eigene Technik. Was darüber bekannt ist, beschreibt Liu Yu als Rekonstruktion; nach Liu Yus Untersuchung der Gießtechnik von Yinxu teilten sich die Formen eines ding (鼎) in der Senkrechten von drei Blöcken auf sechs, Hals und Bauch hatten eigene Formteile, und ein runder lei (罍) war aus fünf waagerechten Lagen und sechs senkrechten Blöcken aufgebaut. Blindkerne (盲芯) machten hohle Beine zu massiven Säulen; kleine Formstützen (芯撑) hielten den Spalt zwischen Form und Kern und senkten die Zahl der Gussfehler; Tierköpfe entstanden in eingesetzten Verbundformen (复合范). Nach dem Guss wurde gelötet: Bronzelötung (铜焊) war in der späten Shang-Zeit in Gebrauch, Bleilötung (铅焊) möglicherweise ebenfalls. Die Werkstätten von Xiaomintun und Miaopu Beidi verwendeten Ton mit hohem Schluffanteil, wenig Tonmineral und hoher Porosität, ausgewaschen aus der örtlichen Erde. Wer sie leitete, ist nirgends überliefert.

Ein Grab, 1928 Objekte

Am ding lässt sich ablesen, was ein Staat herstellen konnte, am Grab der Fu Hao (妇好), was ein einzelner Tod tragen konnte. Das 1976 im Palast- und Tempelbezirk von Yinxu ausgegrabene Grab ist das einzige unversehrte königliche Grab der Shang, dessen Inhaberin sich aus den Orakelknocheninschriften bestimmen lässt: Fu Hao, Gemahlin von Wu Ding. Die Grube enthielt 1928 Objekte: 468 Bronzen, 755 Jadesachen, 63 Steinobjekte, 47 aus Edelstein, 564 aus Bein, drei Elfenbeingefäße und mehr als sechstausend Kaurimuscheln. Andere Darstellungen desselben Grabes nennen 1982 Objekte und 757 Jadesachen; verwendet werden hier die Zahlen des Archäologischen Instituts. Von den 468 Bronzen waren 210 Ritualgefäße – 44,8 Prozent –, und ihre Zusammensetzung ist der interessante Teil: Kochgefäße dreier Typen machten etwa ein Fünftel des Ritualgeschirrs aus, Speisegefäße waren allein durch das gui (簋) vertreten, und die Weingefäße stellten 74 Prozent in fünfzehn Formen. Es gab 53 gu (觚) und 40 jue (爵). In einem einzigen Grab Dutzende gleichartige Trinkbecher.

So sah „Status“ in harten Zahlen aus: nicht ein einzelnes Prunkstück, sondern ein Satz, nach Vorgabe zusammengestellt, mit viel Wein. Die Zhou-Autoren, die später den Untergang der Shang erklärten, warfen ihnen genau das vor – das Weinkapitel des Shangshu (尚书), eines Zhou-Textes, beschuldigt die letzten Shang-Herrscher, im Trunk zu versinken. Man sollte es als das zitieren, was es ist: die Diagnose der Sieger, nicht die Selbstbeschreibung der Shang. Das Grab enthielt außerdem 134 Bronzewaffen, davon 91 ge (戈) und 37 Pfeilspitzen, sowie 54 Waffen aus Jade, die bei der Untersuchung keinerlei Abnutzung zeigen: Paradestücke. Zwei große yue (钺) aus Bronze, fast vierzig Zentimeter lang und je etwa neun Kilogramm schwer, sind das rituelle Gegenstück zu diesem Arsenal.

Hunderteinunddreißig Namensschilder

Eine Generation später macht ein anderes großes Grab denselben Punkt anders. Grab 54 in Huayuanzhuang Ost gehört einem Mann, der als Ya Zhang (亚长) bekannt ist; 131 seiner Bronzen tragen die Zeichen 亚长 oder nur 长. 亚 ist ein militärischer Titel, 长 der Familienname, die Gefäße sind also gewissermaßen Namensschilder. Nach dem Vergleich von Grabgröße, menschlichen und tierischen Opfern sowie der Zahl der Ritualbronzen und Jadesachen mit anderen Gräbern kamen die Ausgräber zu dem Schluss, sein Rang stehe gleich nach dem der Fu Hao – ein Urteil aus dem Vergleich, keine Regel aus einem Text. Das Prunkstück ist ein zun (尊) in Ochsenform: 40 Zentimeter lang, mit Deckel 22,5 Zentimeter hoch, 7,1 Kilogramm schwer, dem wilden Wasserbüffel nachgebildet, die Oberfläche mit mehr als zwanzig Arten von Ornament. Er nahm außerdem sieben yue mit ins Grab; Fu Hao hatte vier. Der Rang eines Soldaten, noch einmal in Metall gesagt.

Der Jade ist älter als das Grab

Die Jaden sind seltsamer als die Bronzen. Von den 755 Stücken im Grab der Fu Hao sind mehr als zweihundert älter als Wu Ding, um Generationen oder Jahrhunderte, und eine Untersuchung führte 28 davon auf noch frühere Kulturen zurück – Xinglongwa und Hongshan weit im Nordosten, Qijia im Nordwesten, Longshan und Taosi in der Mitte, Erlitou, der mit den Xia verbundene Fundort. Eine Frau des 13. Jahrhunderts v. Chr. wurde mit Objekten bestattet, die bereits tausend Jahre alt waren. Und die Jaden wurden nicht so gebraucht, wie spätere Handbücher es nahelegen: In der Shang-Zeit waren cong (琮) aus Jade oft einfach Schmuck – eines mit einer Bohrung von sechs Zentimetern ließ sich als Armreif tragen –, Waffen aus Jade zeigen keine Schneidenspuren, und Nachbildungen von Ackerbaugeräten aus Jade sind Ritualstücke, keine Werkzeuge.

Woher der Rohstein kam, ist eine der guten offenen Fragen. Der Jade ist überwiegend Nephrit, genauer Tremolit. Eine These besagt, seine mineralogische Signatur weiche von den Lagerstätten Zentralchinas ab und deute auf Khotan in Xinjiang; eine andere weist darauf hin, dass bestimmte gelblich-weiße Stücke aus Anyang dem Tremolit aus Gansu sehr nahekommen. Der Autor der hier benutzten Übersicht sagt es deutlich: Die meisten dieser Arbeiten beruhen auf Sichtprüfung und einfachen Tests, und es gibt keinen entscheidenden Beleg für die Herkunft. Also: wahrscheinlich fern, möglicherweise Nordwesten, Route unbekannt. Die ehrliche Version liest sich besser als eine sichere.

Was zwei Gräber sagen können – und was nicht

Beide Gräber sind hochrangige Elitegräber aus den letzten anderthalb Jahrhunderten der Shang. Sie sind Punkte, keine Fläche. Die Quellen liefern keine Statistik über Bronze oder Jade in gewöhnlichen Bestattungen, die meist Keramik enthalten, deshalb lässt sich daraus nicht „die Shang verwendeten Bronzeritualgefäße“ machen. Ebenso wenig gibt es eine erhaltene Shang-Satzung, die die Zahl der ding an Ränge bindet – die späteren Ritualklassiker, die es tun, das Zhouli (周礼) und das Liji (礼记), sind genau die Texte, die man nicht in die Shang-Zeit zurücklesen darf. Auch die Kupfer-, Zinn- und Bleigruben benennen die Quellen nicht: Der Rohstoff musste von auswärts kommen; woher, ist weiterhin eine Forschungsfrage, und die populären Antworten sollte man liegen lassen. Und die Jaderoute selbst, die „Jadestraße“, die manche Forscher von Khotan durch den Hexi-Korridor ziehen, bleibt eine Hypothese, die ihre eigenen Vertreter als unbewiesen bezeichnen.

Die drei Dinge nebeneinander: ein Kessel von 832,84 Kilogramm, dessen Formen, Tiegel und Mannschaft sich zählen lassen; ein Grab mit 1928 Objekten, als Satz geordnet, der Wein im Zentrum, weil ein Rang eine Form hatte; und 755 Jaden, zweihundert davon älter als die Frau, mit der sie begraben wurden, aus Kulturen, deren Namen sie nicht gekannt haben kann. Bronze maß die Macht der Lebenden, Jade maß die Zeit. Die Elite der Shang besaß beides und nahm es mit unter die Erde.

Quellen und weitere Lektüre

  1. 翁淮南〈「后母戊」大方鼎:人类青铜文化的「中国样本」〉(Guangming Online, 2023-07-26; the author heads the National Museum's library) — The 832.84 kg ding: eight body moulds, three per leg, ears cast on afterwards; over a tonne of metal, 12.5 kg crucibles, seventy-odd crucibles, 100–300 men; alloy 84.77/11.64/2.79 per cent; the Si Mu Wu / Hou Mu Wu naming dispute.
  2. 韩鼎〈见器如晤——在考古材料中遇见多面的妇好〉(Chinese Social Sciences Net, 2023-04-20) — Lady Hao's tomb object by object: 1,928 items, 468 bronzes, 210 ritual vessels, 74 per cent wine vessels, 53 gu and 40 jue, 755 jades including 200-plus heirlooms; jade weapons without wear; the Shang wine-drinking critique quoted from the Book of Documents.
  3. 中国社会科学院考古研究所〈重现殷商盛世 讲述传奇一生——妇好墓发掘四十周年特展隆重开幕〉(China Archaeology Network, 2016-03-08) — The excavation institute's official figures for M5: 1,928 objects, 468 bronzes, 755 jades, four bronze yue axes.
  4. 刘煜(梁一凡整理)〈讲座回顾丨刘煜:殷墟青铜器制作技术研究〉(China Archaeology Network, 2023-05-04) — How Shang bronzes were cast: ding moulds dividing from three blocks into six, a round lei in five layers and six blocks; blind cores, chaplets, inserted composite moulds; bronze soldering, lead soldering possibly; the Xiaomintun and Miaopu Beidi workshops and their high-silt, low-clay, high-porosity clay.
  5. 王文洁〈一位殷商贵族将军的鲜活人生〉(Science and Technology Times, 2024-03-02) — Tomb M54 of Ya Zhang: 131 inscribed bronzes, seven yue axes against Lady Hao's four, the 7.1 kg ox-shaped zun, and the excavators' judgement that his rank came second only to hers.
  6. 徐成〈「玉石之路」:中华文明统一性的史前基础〉(National Humanities History, 2024-09-24) — Jade sources for Shang tombs: Khotan hypothesis versus Gansu hypothesis, with the author's own caveat that no decisive sourcing evidence exists.