Südlich des Palastes überquerte man den Luo auf einer Bootsbrücke, der Yong-Brücke. An beiden Enden standen je zwei Säulen 舉高二十丈, zwanzig Zhang hoch, mit einem bronzenen Phönix 似欲衝天勢, als wolle er in den Himmel stürmen. Südlich des Wassers lief die Kaiserstraße geradeaus, in Blöcke geteilt: vier Herbergen östlich, vier Quartiere westlich. Durch welches Tor ein neu angekommener Fremder geführt wurde, hing davon ab, woher er kam.
Vier Herbergen, vier Quartiere
Die Chronik zählt sie mit behördlicher Ordentlichkeit auf: 夾御道東有四夷館,一曰金陵,二曰燕然,三曰扶桑,四曰崦嵫。道西有四夷里:一曰歸正,二曰歸德,三曰慕化,四曰慕義. Östlich der Straße die Vier Herbergen der Barbaren: Jinling, Yanran, Fusang, Yanzhi. Westlich die vier Quartiere: Guizheng, Guide, Muhua, Muyi.
Die Paarung ist fest. 吳人投國者,處金陵館。三年已後,賜宅歸正里 — Männer aus der Wu-Region, die sich unterwarfen, kamen in die Jinling-Herberge und erhielten nach drei Jahren ein Haus im Quartier Guizheng. Nördliche Unterwerfungswillige kamen nach Yanran und nach drei Jahren nach Guide; östliche nach Fusang und ins Quartier Muhua; westliche nach Yanzhi und ins Quartier Muyi. Herberge und Quartier sind zwei Stufen: die Herberge ist der Ort der Ankunft, das Quartier der Ort der Ansiedlung drei Jahre später. Auch die Namen laufen paarweise. Jinling, Yanran, Fusang und Yanzhi sind Herkunftsorte und Himmelsrichtungen; Guizheng, Guide, Muhua und Muyi — „Rückkehr zum Rechten“, „Rückkehr zur Tugend“, „die Wandlung bewundern“, „die Gerechtigkeit bewundern“ — sind das, was der Hof aus den Ankommenden werden sehen wollte.
Die Drei-Jahres-Regel ist eine Institution, nicht die Biografie aller, die kamen. Sie zeigt einen Hof, der Ansiedlung als etwas dachte, das sich in Jahren zählen lässt. Was das Buch nicht liefert, ist ein Register: wer die drei Jahre vollendete, wer früher ging, wer die Herberge nie verließ, ist nicht verzeichnet.
Wer kam, und wer die Adresse ablehnte
Die Ankommenden waren nicht gleich, und der Text sagt es ohne Milderung. Am Beginn der Ära Jingming lief der Qi-Prinz Xiao Baoyin nach Norden über, wurde zum Herzog von Kuaiji gemacht und erhielt ein für ihn erbautes Haus im Quartier Guizheng; später wurde er zum Prinzen von Qi erhoben und heiratete eine Wei-Prinzessin. Dann kommt der scharfe Satz: 寶寅恥與夷人同列, er schämte sich, im gleichen Rang wie Barbaren zu stehen, und ließ die Prinzessin den Kaiser bitten, in die ummauerte Stadt ziehen zu dürfen. Der Kaiser stimmte zu und gab ihm ein Haus im Quartier Yong'an. Dieselbe Straße war für den einen eine Unterbringung, für den anderen eine Beleidigung.
523 kam auch Xiao Yans Sohn, der Marquis von Xifeng, herüber, wurde in der Jinling-Herberge untergebracht und erhielt ein Haus in Guizheng; später gab er es her, um das Guizheng-Kloster zu gründen. Nördliche Ankömmlinge wurden feierlicher behandelt. 520 kam der Rouran-Herrscher Yujiulü Anagui an den Hof, und die Beamten wussten nicht, wo sie ihn einordnen sollten; der Sekretariatssekretär Chang Jing schlug vor, ihn 蕃王儀同之間 zu stellen, zwischen die belehnten Prinzen und die Minister gleichen Rangs, und der Hof folgte: er kam in die Yanran-Herberge und erhielt ein Haus im Quartier Guide. Es gab eine dritte Kategorie: Söhne nördlicher Häuptlinge, die zum Hofdienst geschickt wurden und 常秋來春去,避中國之熱, im Herbst kamen und im Frühling gingen, um die chinesische Hitze zu meiden, 時人謂之雁臣, „die Wildgans-Beamten“.
In diesen Quartieren zu wohnen wurde zum Spott auf jemandes Kosten. Im Quartier Zhonggan, nördlich des Hauses des Prinzen von Gaoyang, wurde der dreizehnjährige Xun Ziwen gefragt, wo er wohne, und antwortete 僕住在中甘里. Sein Gegenüber sagte: 何為住城南, warum im Süden der Stadt? Die Chronik ergänzt: 城南有四夷館,才以此譏之 — die Vier Herbergen lagen im Südbezirk, damit verspottete der Mann ihn. Xuns Antwort war nicht bescheiden: es sei der beste Boden der Stadt, und was die Menschen angehe, 有我無卿, es gebe mich und nicht euch.
„Zehntausend Haushalte“: eine Zahl und ihre Herkunft
Jenseits der Herbergen liegt das größere Bild: 自蔥嶺已西,至於大秦,百國千城,莫不款附。商胡販客,日奔塞下 — vom Westen des Pamir bis nach Daqin, hundert Länder und tausend ummauerte Städte, alle unterworfen; Händler und Hausierer laufen täglich zur Grenze. Dann: 樂中國土風因而宅者,不可勝數。是以附化之民,萬有餘家。門巷修整,閶闔填列。青槐蔭陌,綠樹垂庭。天下難得之貨,咸悉在焉. Die chinesischen Boden und Sitten liebten und sich niederließen, waren zu viele, um sie zu zählen; die eingebürgerte Bevölkerung kam auf mehr als zehntausend Haushalte. Gassen und Gänge in Ordnung, Tore und Türen in Reihen, grüne Sophoren beschatten die Wege, grüne Bäume hängen über die Höfe. Und: die seltenen Waren der Welt waren alle hier.
Zehntausend Haushalte ist die Zahl in diesem Artikel, die am ehesten für eine Volkszählung gehalten wird. Sie ist keine. Sie steht in einem Absatz, der mit „zu viele, um sie zu zählen“ beginnt; der Autor gibt eine ungefähre Zahl, Jahrzehnte später, in Ye, nachdem die Stadt, die er beschreibt, zerstört war. Sagen lässt sich, dass der Bezirk im Maßstab von zehntausend Haushalten erinnert wurde, seine Gassen in Ordnung, seine Waren selten. Auch die Stelle des Satzes über die seltenen Waren ist zu beachten: nach der Straßenszene der Quartiere und vor dem Markt — er beschreibt also das Wohnviertel, nicht den Markt.
Ein Markt, auf dem Karpfen teurer war als Rindfleisch
Der Markt wurde gesondert angelegt: 別立市於洛水南,號曰四通市。民間謂為永橋市 — ein Markt südlich des Luo, offiziell der Sitong-Markt, im Volk der Yong-Brücken-Markt. Zwei Namen, ein amtlicher und ein volkstümlicher: ein Markt, der mit den Leuten handelte, die den Fluss überquerten. Seine Spezialität war Fisch: 伊洛之魚,多於此賣,士庶須膾,皆詣取之。魚味甚美. Fische aus dem Yi und dem Luo wurden meist hier verkauft; wer, Beamter oder Bürger, rohen Fisch in Scheiben wollte, kam her. Der Spruch der Hauptstadt war 洛鯉伊魴,貴於牛羊 — Karpfen aus dem Luo und Brassen aus dem Yi kosteten mehr als Rind und Schaf.
Ein Fisch, teurer als Rindfleisch, setzt zweierlei voraus: einen kurzen Weg vom Fluss zum Stand und genug Leute in der Stadt, die zahlen können. Der Markt verkaufte mehr als Fisch, aber die einzigen Waren, die die Chronik nennt, sind Fisch; alles andere decken vier Zeichen, 難得之貨, seltene Waren.
Der Elefant und der Löwe
Östlich der Straße, südlich der Brücke, lagen zwei weitere Gehege, der Weiße-Elefanten-Hof und der Löwenhof. Der Elefant wurde 509 vom König von Gandhara geschickt, mit einem fünffarbigen Wandschirm und einem juwelenbesetzten Sitz auf dem Rücken. Zuerst hielt man ihn in den kaiserlichen Stallungen, wo 象常壞屋毀牆,走出於外。逢樹即拔,遇牆亦倒 — er Gebäude und Mauern zerstörte, ausbrach, Bäume ausriss und Mauern umwarf — bis die Kaiserinmutter ihn in diesen Hof bringen ließ.
Der Löwe wurde vom König von Persien geschickt, unterwegs vom Rebellen Wanqi Guinu erbeutet und bei den Rebellen gehalten, bis er Ende der Ära Yong'an endlich die Hauptstadt erreichte. Kaiser Zhuang, der den Glauben prüfen wollte, 虎見獅子必伏, Tiger legten sich vor einem Löwen nieder, ließ aus den Bergkreisen Tiger herbeischaffen; Gongxian und Shanyang schickten zwei Tiger und einen Leoparden, und der Kaiser ließ sie in den Hualin-Garten bringen. Die Tiger und der Leopard 悉皆瞑目,不敢仰視, schlossen alle die Augen und wagten nicht aufzublicken; ein blinder Bär im Garten roch den Löwen und 驚怖跳踉,曳鎖而走, floh entsetzt und schleifte seine Kette. Der Kaiser lachte laut. 531, bei seinem Regierungsantritt, befahl der Prinz von Guangling, die gefangenen Tiere in die Berge freizulassen, und der Löwe sollte heimgeschickt werden; seine Begleiter fanden Persien zu weit, 遂在路殺獅子而返, töteten ihn unterwegs und kehrten zurück. Die Rechtsbeamten wollten sie wegen Ungehorsams gegen einen Erlass belangen; der Prinz sagte: 豈以獅子而罪人也, sollte man einen Menschen wegen eines Löwen bestrafen? und begnadigte sie.
Dieses Ende sagt mehr als jede Zahl. Ein System, das Ankommende nach Herkunft in Herbergen sortieren und Flussfisch teurer als Rindfleisch machen konnte, brachte einen Löwen nicht nach Persien zurück. Es gibt auch einen härteren Beleg als die zehntausend Haushalte: 菩提寺,西域胡人所立也,在慕義里 — das Bodhi-Kloster, von Fremden aus den Westlichen Regionen gegründet, im Quartier Muyi. Fremde bauten ein Kloster in ihrem eigenen Quartier. Das braucht keine Statistik, um zu zeigen, dass dort Menschen lebten, und lange genug, um Gebäude zu errichten, Bilder aufzustellen und Mönche zu versorgen.
Quellen und weitere Lektüre
- 楊衒之《洛陽伽藍記》卷三(永橋、四夷館、四通市)(Yang Xuanzhi, Luoyang Qielan Ji, juan 3: the Yong Bridge, the Four Hostels, the Sitong Market) — The core passage: four hostels and four wards by origin, three years before a house is granted, the ten thousand naturalized households, the Sitong Market and its fish, the elephant and lion yards, and the Bodhi Monastery built by Westerners.
- 楊衒之《洛陽伽藍記》卷一「永寧寺」(Yang Xuanzhi, Luoyang Qielan Ji, juan 1, "Yongning Monastery") — Scriptures and images offered by foreign countries were kept at Yongning, and the Persian monk Bodhidharma came there — evidence of the traffic that fed the southern wards.
- 魏收《魏書》卷一百一十四〈釋老志〉(Wei Shou, Wei Shu, juan 114, "Treatise on Buddhism and Daoism") — In 516 the court sent the monk Huisheng west to collect scriptures; he returned in 522 with 170 titles — the same routes the merchants and envoys used.




