Die Tore Pekings öffneten sich in der Qing-Zeit nicht zu einer Uhrzeit. Sie öffneten sich nach dem, was an diesem Tag am Hof zu tun war. An den regulären Audienztagen (逢五, an den Fünftagen des Monats) gab das Ritenministerium dem Kriegsministerium Nachricht, und 于黎明启正阳门 – das Zhengyang-Tor (正阳门) wurde bei Tagesanbruch geöffnet. Wenn der Kaiser am Palasttor Eingaben entgegennahm, mussten Beamte, die außerhalb der Mauer wohnten, früh hinein; das Kriegsministerium wies an: 于晓钟后启正阳门, öffnen nach der Morgenglocke. An Tagen der Opfer an Altären und Tempeln sollten die mitopfernden Beamten der inneren und der äußeren Stadt früh hinaus und früh hinein; das Opferamt (Taichang si, 太常寺) schrieb vorher an das Kriegsministerium: 于五鼓后启门, öffnen nach der fünften Wache. Wer sonst ein Tor früher geöffnet brauchte, musste 豫具印文移咨兵部核明 – vorab ein gesiegeltes Schreiben an das Kriegsministerium senden, damit es geprüft werde; erst dann wurde die Öffnung angeordnet. 如无兵部印文,概不准启: Ohne das Schriftstück des Kriegsministeriums öffnete sich kein Tor. Ein Tag in der Hauptstadt begann mit einem Aktenstück.
Ein Tor nach dem Kalender
Welche Behörde das besorgte, sagt die Stadtbeschreibung Chengyuan Shilue (宸垣识略) aus der Qianlong-Zeit in Kapitel 6 deutlich: die Gendarmerieverwaltung Bujun Tongling Yamen (步军统领衙门) „领禁军,司九门启闭并缉捕之事“ – sie führte die Wache und besorgte das Öffnen und Schließen der neun Tore sowie die Verfolgung von Verbrechern. Die drei Arten von Tagen – Audienz, Regierungsvortrag, Opfer – hatten also je ihr eigenes Verfahren, und ein gewöhnlicher Tag brauchte die Akte des Kriegsministeriums. Eine Einschränkung gehört hierher, und sie ist wichtig: Die Bestimmungen sagen 黎明, 晓钟 und 五鼓 – Tagesanbruch, Morgenglocke, fünfte Wache –, nicht Uhrzeiten. Der Tagesanbruch verschiebt sich mit der Jahreszeit, und so verschob sich auch die Stunde des Öffnens über das Jahr. Wie früh oder wie spät das zur Sommersonnenwende und zur Wintersonnenwende war, sagen die Bestimmungen nicht; dieser Text trägt es nicht nach. Eine Tabelle, die Torstunden und Uhrzeiten nebeneinanderstellt, gibt es in den Quellen nicht – das ist ein Punkt, für den keine Bestimmung vorliegt (未见条文).
Die zwei Hälften des Gegenzeichens
Nachts wurde es strenger. Im vierten Jahr Yongzheng (雍正, 1726) wurde bestimmt, dass die Gendarmerieverwaltung sowie die beiden Tore Zhengyang und Xizhi (西直门) je ein yinwen hefu (阴文合符, Gegenzeichen mit vertieft eingravierten Zeichen) erhalten. Musste auf nächtlichen Befehl vom Thron oder wegen dringender Militärangelegenheiten ein Tor sofort geöffnet werden, so sandte der Palast das passende yangwen hefu (阳文合符, Gegenzeichen mit erhaben gravierten Zeichen) heraus. Am Zhengyang- und am Xizhi-Tor verglich der Toroffizier die Hälften (照验明白, „nach der Prüfung eindeutig“), öffnete und meldete es dem Befehlshaber. An den übrigen Toren musste der Befehlshaber sein eigenes Gegenzeichen selbst zum Tor bringen und es mit dem yangwen-Stück vergleichen, bevor geöffnet wurde; am nächsten Tag war darüber Bericht zu erstatten. Im gewöhnlichen Betrieb blieb es beim üblichen Verfahren. Am Tag gilt die Regel, in der Nacht gilt das Zeichen – und das Zeichen hat zwei Hälften: Erst wenn sie zusammenpassen, öffnet sich das Tor.
Die Zeit, von Posten zu Posten gereicht
Die Zeit der Stadt wurde weitergereicht, nicht mit einem Glockenschlag für alle zugleich angeschlagen. Nach den Bestimmungen hieß es: 夜则巡更击柝,每汛设立更筹,自初更起,上下汛往来传送,至黎明乃止 – nachts patrouillierten sie und schlugen die Klapper; jeder Wachposten (汛) hielt einen gengchou (更筹, Wachstäbchen als Zeitträger), und vom ersten Nachtschlag an wurden die Stäbe zwischen den Posten auf und ab weitergegeben, bis der Morgen kam. Ursprung dieses Netzes waren der Trommel- und der Glockenturm. Der Trommelturm besaß in der Yuan-Zeit eine bronzene Wasseruhr: vier Gefäße namens 天池, 平水, 万分 und 收水, in der Mitte ein Gong, und 时至则每刻击铙者八 – war die Zeit erreicht, schlug man je Viertelstunde achtmal, bemessen am Wasserstand. In der Qing-Zeit, so sagt die Chengyuan Shilue, verwendete der Turm 不用铜壶等物,惟以时辰香定更次 – keine Bronzegefäße mehr, sondern bestimmte die Nachtwachen mit Zeit-Räucherwerk; das Uhrenzimmer stand noch, die bronzene Wasseruhr war nicht mehr nachzuweisen. Der Glockenturm wurde im zehnten Jahr Qianlong (1745) neu errichtet und 悬钟于上,声远愈闻之 – eine Glocke oben aufgehängt, je höher, desto weiter zu hören. Wie viele Schläge welche Wache bezeichneten, steht in den hier eingesehenen Bestimmungen nicht, und dieser Text schreibt es nicht.
Nach dem ersten Nachtschlag ist die Stadt zu
Die in den ersten Jahren Shunzhi (顺治) festgelegte Sperre ist hart formuliert: 京城内起更后闭栅阑,自王以下官民人等概禁行走 – in der Hauptstadt werden nach dem ersten Nachtschlag die Barrikaden geschlossen, und von den Fürsten abwärts ist Beamten wie Gemeinen das Gehen untersagt. Die Wachtoffiziere hatten bestimmte Straßen im Turnus, die Stellvertreter patrouillierten weiter. Wann durfte eine Barrikade geöffnet werden? Für zwei Arten von Amtsgeschäften – Befehl vom Thron, Entsendung durch ein Ministerium – und für sechs private Notfälle: Todesfall, Geburt, Krankheit, Herbeiholen eines Arztes, Opfer, Heirat. Der diensthabende Offizier musste 详问事故,记其旗分佐领姓名 – den Fall genau erfragen und Banner sowie Kompanie des Betreffenden notieren –, dann öffnete er und ließ einen Soldaten mitgehen, der ihn dem nächsten Posten übergab. Wer ohne Anlass nachts ging, wurde aufgeschrieben und am nächsten Tag gemeldet; eine Frau oder ein Beamter wurde zuerst nach Hause gebracht und die Nachbarschaft verständigt, ein Gemeiner am Ort der Aufgreifung festgehalten. Ein Beamter büßte 罚俸一月 – einen Monat Gehalt –, ein Gemeiner erhielt 鞭五十, fünfzig Peitschenhiebe. Blieb eine Barrikade offen oder wurde die Wache versäumt, kostete das den Korporal dreißig, den Gemeinen siebenundzwanzig Hiebe, den Wachtoffizier zwei Monate Gehalt und seinen Stellvertreter einen.
Die Nacht hatte auch ihre gezählte Ausstattung. Jedes Tor war mit vierzig Torsoldaten (门军) etatisiert; die neun inneren Tore hatten je zwanzig berittene Torwachen und zwei Kanoniere. Auf den Mauern der neun inneren Tore standen 241 Gebäude zu je drei Räumen, zusammen 723 Räume, darunter 135 Wachhäuser (堆拨房), mit 87 Soldatenposten (步军堆拨). Die sieben äußeren Tore hatten keine amtlichen Bauten auf der Mauer, nur achtzehn Posten zu je drei Fußsoldaten. Die Barrikaden (zhalan, 栅栏) wurden nach Zuständigkeit gezählt: achtzehn im mandschurischen Bezirk der Kaiserstadt, der dem Gelben Randbanner unterstand, über neunzig im weiteren Stadtgebiet, und für die drei äußeren Lager 193, 145 und 102, jede Barrikade mit drei Soldaten besetzt. Yu Chenglong (于成龙) beschrieb in einer Denkschrift der Kangxi-Zeit: 其大街一带,于各胡同口尽立栅栏 – an den Hauptstraßen seien an allen Gassenmündungen Barrikaden errichtet; und innerhalb der Barrikade wurden je zehn Haushalte zu einem Brett zusammengefasst, dessen Vorsteher 每牌多拨更夫,鸣锣击柝,彻夜巡查 – für jedes Brett mehr Nachtwächter abstellte, die Gong und Klapper schlugen und die ganze Nacht patrouillierten. Dazu eine Klarstellung: Das ist die Schilderung eines bestehenden Mechanismus in einer Denkschrift, mit der er eine Baojia-Registrierung vorschlug, und dieser Vorschlag wurde von der Ministerialberatung als „belastend für arme Alleinstehende“ abgelehnt. Zitiert wird hier also nur seine Beschreibung von Barrikaden und Nachtwächtern, nicht eine neu eingeführte Politik. Und weil die Banner unterschiedlich zählen, addiert dieser Text die Zahlen auch nicht zu einer Gesamtzahl der Stadt.
Die Nächte, in denen man hinausdurfte
Die Bestimmungen ließen einige Ausgänge offen. Zum Laternenfest, vom dreizehnten bis zum siebzehnten Tag des ersten Monats, hingen in den sechs Straßen Laternen, der Hof gab Bankette und Feuerwerk, die Läden beleuchteten sich; 六街之灯,以东四牌楼及地安门为最盛 – die schönsten Lichter der sechs Straßen standen am Dongsi Pailou (东四牌楼) und am Di'anmen (地安门), und das Treiben dauerte 自白昼以迄二鼓, vom hellen Tag bis zur zweiten Wache, bis der Rauch dünner wurde und die Menschen lachend auseinandergingen; so berichtet es Yanjing Suishi Ji (燕京岁时记) im Abschnitt zum Lichterfest. Das ist eine der wenigen Nächte, für die ein Ende schriftlich überliefert ist – und zwar als Ausnahme, nicht als Regel. Auch der Ort des Lichtermarkts verschob sich: In der Ming-Zeit lag er beim Donghua-Tor, vom achten bis zum achtzehnten Tag, zehn Tage lang; in der Qing-Zeit galt 灯归城内,市归琉璃厂 – die Laternen kamen in die innere Stadt, der Markt ging nach Liulichang (琉璃厂), und das Fest dauerte nur noch fünf Tage. Der zweite Ausgang lag im Sommer: Im zehnten Jahr Yongzheng (1732) erging eine Anweisung, in der Hauptstadt gelte 每值三伏,居民人等晚间听其露处乘凉 – in den Hundstagen dürften die Bewohner abends im Freien sitzen und sich abkühlen; für die Hitze wurde die alte Übung bestätigt. Beides sind Ausnahmen. Sonst gibt es keine Bestimmung, die einen Nachtmarkt erlaubt: Nach diesen Regeln hatte der gewöhnliche Abend keinen rechtmäßigen Straßenhandel, und das Nachtleben der Stadt gehörte den Festen und der Hitze.
Zuletzt muss vom Maß des Materials die Rede sein. Alles bisher ist Vorschrift, und Vorschrift ist nicht Vollzug: Wie viele Menschen sich nachts an die Regeln hielten, hat niemand gezählt; wie viele in einem bestimmten Jahr wegen nächtlichen Gehens Peitschenhiebe oder Gehaltsabzug erhielten, ist nicht aufgezeichnet. Auch die Lücken sind zu benennen: Wie die Türme die Wachen schlugen, steht nicht in den Bestimmungen; eine jahreszeitliche Tabelle, die Torstunden Uhrzeiten zuordnet, steht nicht in den Bestimmungen; die spätqingzeitlichen Texte zum Nachtmarkt an der Dashilan (大栅栏) und am Qianmen-Tor wurden für diese Fassung nicht geöffnet und werden nicht zitiert; Zahl, Lohn und Turnus der Nachtwächter geben die Quellen nicht her, also werden sie nicht geschrieben. Auch die Strafbestimmung zur nächtlichen Ausgangssperre im Da Qing Lüli (大清律例) wurde nicht eingesehen; zitiert werden deshalb nur die Verwaltungsstrafen der Huidian Zeli (会典则例), und beides wird nicht vermischt. Festhalten lässt sich eine klare Kette: Die Tore öffneten nach dem Kalender des Hofes, nachts nach dem passenden Gegenzeichen, die Zeit lief von Wachposten zu Wachposten, nach dem ersten Nachtschlag wurden die Barrikaden geschlossen und von den Fürsten abwärts ging niemand mehr, die Ausnahmen waren gezählt, und auf Verstöße stand Gehaltsabzug oder Peitsche. Der Tageslauf einer Stadt war in ihre Statuten geschrieben. Eine Frage können diese Statuten nicht beantworten, und sie stellen sie selbst: Sie sagen 黎明, Tagesanbruch, und sagen nie, wie viel Uhr das war.
Quellen und weitere Lektüre
- 允禄等《钦定大清会典则例》卷一百七十九·步军统领(乾隆二十九年;四库全书本) — 门禁:常朝日黎明启正阳门、御门听政日晓钟后启、坛庙祭祀日五鼓后启、其余早开需兵部印文;雍正四年阴文/阳文合符;顺治初年夜禁与栅栏、六项例外、罚则;守卫:更筹传筹、门军四十人、守门骁骑二十名炮手二名、城上房241所723间、堆拨房135所、外七门堆拨18所;雍正十年三伏露处乘凉
- 吴长元《宸垣识略》卷六·内城(乾隆五十三年;识典古籍影印本) — 步军统领衙门「司九门启闭并缉捕之事」;鼓楼元代铜刻漏四壶(天池、平水、万分、收水)、「时至则每刻击铙者八」,清代「不用铜壶等物,惟以时辰香定更次」;钟楼乾隆十年重建悬钟
- 于成龙《抚直奏稿》卷八(康熙朝;识典古籍影印本) — 奏疏描述北京「各胡同口尽立栅栏」,栅内十家牌长「每牌多拨更夫,鸣锣击柝,彻夜巡查」;注意这是官员描述、且所议编保甲被部议否决,只能引其对既有栅栏与更夫的描述
- 富察敦崇《燕京岁时记》「灯节」(光绪三十二年) — 灯节十三至十七、十五为正灯、六街之灯以东四牌楼及地安门为最盛、「自白昼以迄二鼓」;按语记明代灯市初八至十八共十日,清则「灯归城内,市归琉璃厂」




