516, im ersten Jahr der Ära Xiping, begann man einen Fundamentgraben einen Li südlich des Changhe-Tors des Palastes von Luoyang, westlich der Kaiserstraße. Die Arbeiter gruben bis auf Wasser — die Chronik sagt 掘基至黃泉下, „das Fundament bis zu den Gelben Quellen hinab“ — und im Boden fanden sie dreißig vergoldete Buddhastatuen. Kaiserinmutter Hu nahm das als Beweis, dass das Gesetz dem Werk hold war: 是以營建過度也, „darum überschritt der Bau jedes Maß“. Der Maßstab des Turms beginnt mit einem Zufall in einer Erdgrube.

„Aus Holz gefügt“: die Maße, wie sie geschrieben stehen

Das Luoyang Qielan Ji beschreibt den Turmleib in einem Atemzug: 中有九層浮圖一所,架木爲之,舉高九十丈。上有金剎,復高十丈;合去地一千尺 — eine Pagode von neun Stockwerken, aus Holz gefügt, neunzig Zhang hoch; darüber eine goldene Spitze, nochmals zehn Zhang; tausend Fuß vom Boden. 架木爲之, „aus Holz gefügt“, ist das entscheidende Wort: ein Holzbau, kein Ziegelbau. Und die Chronik fügt die Wirkung hinzu: 去京師百里,已遙見之, hundert Li vor der Hauptstadt war sie schon zu sehen.

Die Umrechnung will Vorsicht. Der Fuß der Nördlichen Wei wird meist auf etwa 0,28–0,30 m geschätzt — eine Spanne, die mit Maß und Landschaft schwankt, also nur eine Näherung. Danach ergeben tausend Fuß rund 280–300 m, was wörtlich nicht zu halten ist: Es läge weit über jedem vormodernen Holzbau. Das Weishu, die amtliche Dynastiegeschichte, verzeichnet denselben Turm als 佛圖九層,高四十餘丈, neun Stockwerke und etwas über vierzig Zhang, nach derselben groben Umrechnung 110–120 m, weniger als die Hälfte des anderen Werts. Beide Texte sagen neun Stockwerke; die Höhen unterscheiden sich um mehr als das Doppelte. Der dritte Juan des Qielan Ji fügt hinzu, die siebenstöckige Pagode des Jingming-Klosters habe 去地百仞 gestanden, hundert Ren über dem Boden, und wenn ein Ren sieben Fuß zählt, sind das siebenhundert Fuß — höher noch als der Yongning-Turm des Weishu. Drei Zahlen, die nicht alle stimmen können. Es sind keine Messdaten, sondern Maße, mit angehaltenem Atem genommen. Alle Meterangaben in diesem Artikel sind Berechnungen aus den überlieferten Zahlen, keine archäologische Messung.

Ein Inventar aus Gold

Es folgt eine Liste. Auf der Spitze stand ein goldener Krug, der fünfundzwanzig Hu fasste; unter dem Krug elf Lagen goldener Schalen zum Auffangen des Taus, 周匝皆垂金鐸, ringsum goldene Glocken am Rand. Vier Eisenketten liefen von der Spitze zu den vier Ecken des Turms und trugen ebenfalls Glocken, 鐸大小如一石甕子 — jede so groß wie ein Krug, der ein shi(石, Hohlmaß)Wasser hält. Der Turm hatte neun Stufen, 角角皆懸金鐸,合上下有一百三十鐸, an jeder Ecke eine Glocke, hundertdreißig von oben bis unten.

Ein zweiter Satz Zahlen gehört den Türen. Jede der vier Seiten hatte drei Türen und sechs Fenster, alle zinnoberrot lackiert; 扉上有五行金鈴,合有五千四百枚, auf den Türflügeln fünf Reihen goldener Glöckchen, fünftausendvierhundert insgesamt, dazu goldene Ringzieher. Hundertdreißig und fünftausendvierhundert sind zwei verschiedene Ordnungen: die großen Glocken an den Traufkanten und auf der Spitze, die kleinen an die Türen genagelt. Nördlich des Turms stand eine Buddhahalle mit einer vergoldeten Statue von sechzehn Fuß, zehn mittlerer Größe, drei aus gestickten Perlen, fünf aus Goldfäden gewebt, zwei aus Jade; Mönchszellen und Galerien zählten über tausend Joche. Die Liste bewahrt die Ordnung der Arbeit: das Gerüst aufrichten, die Spitze aufsetzen, die Glocken hängen, dann die Glöckchen an die Türen nageln.

Ein Laut in der Nacht, und ein Mann, der die Welt gesehen hatte

Die Hälfte des Ruhms war akustisch. 至於高風永夜,寶鐸和鳴,鏗鏘之聲,聞及十餘里 : in einer Nacht mit hohem Wind klangen die kostbaren Glocken zusammen, und der Klang trug über zehn Li. Hundertdreißig Glocken von der Größe eines Wasserkrugs, auf einmal läutend, aus Dörfern eine Stunde Wegs entfernt zu hören.

Einen Besucher lohnt es anzuhalten: den Mönch Bodhidharma aus den Westlichen Regionen, den die Chronik 波斯國胡人 nennt, einen Perser, und der behauptete, hundertfünfzig Jahre alt zu sein und überall gewesen zu sein. Was er sah: 金盤炫日,光照雲表,寶鐸含風,響出天外 — goldene Schalen, die die Sonne blenden, Licht über den Wolken, Glocken, die den Wind halten, ein Klang, der aus dem Himmel fährt — und er nannte es ein göttliches Werk: 此寺精麗,閻浮所無也, nirgends in der Welt des Jambudvipa gebe es ein solches Kloster. Kaiser und Kaiserinmutter stiegen gemeinsam hinauf und blickten hinab 視宮內如掌中, der Palast wie in einer Handfläche; danach 禁人不聽升之, niemand durfte mehr hinauf. Yang Xuanzhi stieg einmal selbst hinauf, mit dem Gouverneur von Henan: 下臨雲雨, über Wolken und Regen.

Was der Wind zuerst nahm

Der Turm ging nicht zuerst am Feuer zugrunde. 526 riss ein Sturm 發屋拔樹, Dächer ab und entwurzelte Bäume, und der goldene Krug auf der Spitze stürzte 入地丈餘, mehr als ein Zhang tief in den Boden. Man ließ einen neuen gießen. Das war das erste Mal, dass das Wetter ein Stück vom Bau nahm.

Danach wurde er Kaserne, dann Gefängnis. 528 sammelte der Kriegsherr Erzhu Rong 總士馬於此寺, Truppen und Pferde im Kloster; 529 zog der Prätendent Yuan Hao dort sein Heer zusammen; 530 hielt Erzhu Zhao den Kaiser gefangen und 鎖帝於寺門樓上, kettete ihn im Torturm des Klosters an. Ein Turm, berühmt für goldene Glocken, empfing in seinen letzten Jahren Heere, Rebellenprinzen und Gefangene.

Drei Monate Feuer

Im zweiten Monat von 534 brannte die Pagode. 火初從第八級中平旦大發, das Feuer brach im achten Stockwerk aus und schlug im Morgengrauen hoch; 當時雷雨晦冥,雜下霰雪, es donnerte, regnete und war finster, Graupel fiel dazwischen, und das Feuer ließ sich nicht niederschlagen. Der Kaiser stieg auf die Lingyun-Terrasse, um zu schauen, und schickte tausend Gardisten mit zwei Prinzen gegen die Flammen; 莫不悲惜,垂淚而去, alle gingen weinend. Mönche und Laien kamen zu sehen, 悲哀之聲,振動京邑, und der Laut der Trauer erschütterte die Hauptstadt. Drei Mönche gingen ins Feuer und starben.

火經三月不滅。有火入地尋柱,周年猶有煙氣. Sie brannte drei Monate ohne zu erlöschen; das Feuer drang in den Boden, den Pfeilern nach, und noch ein Jahr später war Rauch da. Im fünften Monat kam ein Mann aus Laizhou und berichtete, er habe die Pagode auf dem Meer gesehen, 光明照耀,儼然如新, leuchtend wie neu, von allen Leuten der Küste gesehen; dann stieg Nebel auf, und sie war fort. Im zehnten Monat zog der Hof nach Ye.

Von 516 bis 534 sind es achtzehn Jahre — die „zwanzig Jahre später“ der Erinnerung sind im Kalender achtzehn. Prüfen lassen sich nur diese Regierungsjahre; die Größe des Turms bleibt dort, wo der Text sie lässt, mit einer als unsicher markierten Umrechnung. Was bleibt, sind keine Grabungsdaten, sondern eine Liste und ein Brand: Die Liste sagt, wie viele Glocken es gab, der Brand sagt, dass alle herunterkamen. Yang Xuanzhi schrieb in Ye und erinnerte sich an eine Stadt, die es nicht mehr gab, und die letzte Zahl, die er dem Turm gibt, ist keine Höhe. Es sind drei Monate.

Quellen und weitere Lektüre

  1. 楊衒之《洛陽伽藍記》卷一「永寧寺」(Yang Xuanzhi, Luoyang Qielan Ji, juan 1, "Yongning Monastery") — The full record of the tower: its 90-zhang timber frame and 10-zhang spire, the twenty-five-hu vase, 130 bells and 5,400 door bells, Bodhidharma's visit, the gale of 526, and the fire of 534 that burned for three months.
  2. 魏收《魏書》卷一百一十四〈釋老志〉(Wei Shou, Wei Shu, juan 114, "Treatise on Buddhism and Daoism") — The official history's independent notice of the same tower: nine storeys, a little over forty zhang, costs beyond reckoning — less than half the height given in the Record.
  3. 楊衒之《洛陽伽藍記》卷三「景明寺」(Yang Xuanzhi, Luoyang Qielan Ji, juan 3, "Jingming Monastery") — Jingming's seven-storey pagoda, said to rise a hundred ren and to rival Yongning in ornament — a third height figure that does not agree with the other two.