Die Tafel ist 23,5 Zentimeter lang, 2,8 breit und 0,3 dick und wiegt 4,66 Gramm. Sie kam an einem Grenzposten mit der Bezeichnung A8 Pochengzi im Edsen-gol-Gebiet des heutigen Autonomen Gebiets Innere Mongolei zutage, und ihre Fläche ist mit kurzen Einträgen bedeckt, die wie Schreibübungen aussehen und in Wahrheit ein Register sind. Jeder Eintrag beginnt mit einem Rang, nennt einen Namen, dann Hirse – 粟 – im Maß 三石三斗三升少, dann einen Monat, dann zwei Zeichen: zi qu (自取, „selbst abgeholt“). Fünfzehn oder sechzehn Männer und das Korn, das sie forttrugen. Der Katalog beschreibt sie zuerst nach Größe und Masse – so beschreibt man ein hölzernes Schriftstück üblicherweise: nicht nach dem, was es sagt, sondern nach dem, was es wiegt.
Ein Konto auf 4,66 Gramm Holz
Das Format ändert sich kaum: lingshi (令史, Schreiber), zhangzu (鄣卒, Wachpostensoldat), weishi (尉史, Stellvertreter), wieder zhangzu. Die Namen sind Kong Shengzhi, Xu Chong, Zhao Wangsheng, Wang Nu, Li Shouwang, Yue Shengzhi, Yi Nan, Meng Yanshou – und am Ende Tao Shengzhi, ein shixing (施刑, Mann mit Strafstatus). Die letzte Zeile schließt die Rechnung: 右奉食吞远, „rechts davon: Verpflegung für Tanyuan (吞远)“; eine zweite Ausgabe des Textes bietet stattdessen 令史延年食吞远. Tanyuan dürfte der Standort oder die Einheit sein, zu der diese Männer gehörten, doch die Tafel selbst erklärt das Wort nicht. Auch die Lesung ist nicht gesichert: Die beiden Standardtranskriptionen weichen in einzelnen Zeichen voneinander ab – derselbe Offizier erscheint in der einen als 郭当, in der anderen als 郭常, derselbe Soldat als 马定 und als 厉定. Wer die Tafel liest, liest also das Urteil eines Editors mit.
Die Tafel ist in zwei Standardkorpora gedruckt, im Hejiao (合校) auf Seite 40 des ersten Bandes und im Juyan Hanjian (居延汉简, Erstes Buch) auf Seite 82; ihre Transkription ist unter einer Forschungsgenehmigung veröffentlicht (CC BY-NC-ND, dieser Text verwendet keine Abbildungen). Was hier zitiert wird, ist also die Lesung einer Ausgabe, nicht ein Foto des Holzes; Fundort, Maße und Gewicht stammen aus dem Ausgrabungsvermerk des Katalogs, nicht von der Tafel selbst.
Drei Shi, drei Dou, drei Sheng und ein Rest
Die Ration lautet 粟三石三斗三升少: drei shi (石), drei dou (斗), drei sheng (升), und das letzte Zeichen, 少, markiert einen Rest, den die Tafel nirgends ausschreibt. Die Einheiten sind Hohlmaße: zehn sheng sind ein dou, zehn dou ein shi – weiter rechnet der Text nicht. Es ist dieselbe Zahl für den Schreiber, den Stellvertreter und den Wachpostensoldaten, und dieselbe Formel kehrt in den Juyan Hanjian (居延汉简) immer wieder, was sie zur standardmäßigen monatlichen Getreideausgabe macht und nicht zur privaten Regelung einer Einheit. Auf dieser Tafel steht der Satz fünfzehnmal, Zeichen für Zeichen; nur die letzte Zeile bricht ihn. Der Text rechnet nicht in Liter, Kilo oder modernes Geld um: Die Tafel nennt ein Maß, keinen Preis, und nirgends erscheint ein Preis.
Nur ein Mann bekommt eine andere Menge, und es ist der letzte: der shixing Tao Shengzhi, Hirse drei shi – kein dou, kein sheng, kein „Rest“. Ob das an seinem Status liegt oder an einem angebrochenen Monat, sagt die Tafel nicht. Aber die eine Zeile, die abweicht, ist auch die einzige mit einem eigenen Status, als hätte ein Schreiber von einer Standardliste abgeschrieben und bei diesem Eintrag innegehalten – aus einem Grund, den das Holz nicht nennt.
Vier Arten von Männern auf einer Liste
Das Register führt mindestens vier Status: lingshi (令史), den Schreiber; weishi (尉史), seinen Stellvertreter; zhangzu (鄣卒), den Soldaten des Wachpostens; und shixing (施刑), den Mann mit Strafstatus. Auf dieser Tafel bekommen die Schreiber und die einfachen Soldaten dieselbe Ration, der Mann mit Strafstatus weniger. Das ist eine Beobachtung, keine Erklärung: Keine Vorschrift auf der Tafel begründet den Unterschied, und der übrige Teil des hanzeitlichen Verpflegungswesens steht hier nicht geschrieben. Die Liste ist außerdem klein: sechzehn Namen auf dem Konto eines einzigen Lagers, ein paar Schreiber zwischen den Soldaten – eine Garnison im Maßstab eines einzigen Ausgabetags. Vier Status auf einem Stück Holz machen die Tafel zu einer sozialen Karte eines sehr kleinen Ortes.
Derselbe Tag, Monat um Monat
Die Daten drängen sich. Bei den meisten Wachpostensoldaten steht 十月癸酉, der guiyou-Tag des zehnten Monats – ein Datum im Sechzigtagezyklus, zehn Himmelsstämme gegen zwölf Erdzweige, alle sechzig Tage wiederkehrend; 癸酉 bezeichnet also einen bestimmten Tag und keine Jahreszeit. Yue Shengzhi zeichnet am 十一月戊子, die Schreiber Guo Dang und Guo Chong am 十二月戊申 und am 丙午, der Mann mit Strafstatus am 十一月庚子. Dass derselbe Tag so oft wiederkehrt, heißt: Das ist keine Folge einzelner Bitten, sondern ein Ausgabetag – an einem 癸酉 im zehnten Monat kamen ein Dutzend Männer zum Lager und holten ihr Korn. Jede Zeile endet mit 自取, „selbst abgeholt“: Der Empfänger kam selbst; der Schreiber legte den Empfang auf den Mann, nicht auf das Lager. Ob sie im Morgengrauen kamen oder nach Mittag, ist nicht vermerkt.
Eine Tafel, ein Posten, eine Jahreszeit
Die Grenzen sind scharf. Was die Tafel sagt: In den Monaten zehn bis zwölf eines Jahres haben Männer in A8 Pochengzi ihre Monatsration nach einem einzigen Standard bezogen, an einem Ausgabetag, in Person, und ein Schreiber hat es auf einem Stück Holz festgehalten, das heute 4,66 Gramm wiegt. Was sie nicht sagt, ist sehr viel mehr: Es ist eine Tafel, ein Posten, eine Jahreszeit – nicht die Verpflegung der Han-Armee. Familienrationen, Ablösungen in Geld, Zulagen und Belohnungen fehlen; ebenso wenig steht darauf, worin das Korn befördert wurde, und die Katalogbeschreibung erwähnt weder Siegel noch Unterschrift noch Kontrollmarke. Das tägliche Leben dieser Männer – Patrouillen, Nachtwachen, Briefe nach Hause – steht nicht mit einem Wort darauf. Eine einzelne Tafel trägt kein Argument; sie trägt eine Buchung.
Die Namen aber sind geblieben: Kong Shengzhi, Xu Chong, Zhao Wangsheng, Wang Nu, Li Shouwang, Yue Shengzhi, Yi Nan, Meng Yanshou, Tao Shengzhi. Vor zweitausend Jahren schrieb ein Grenzschreiber sie auf ein schmales Brett, um eine Rechnung zu führen, und die Rechnung ist noch lesbar: wer in welchem Monat wie viel Hirse bezog. So sieht die Buchführung eines Reiches manchmal aus – keine Reden, keine Gefühle, nur Zeile um Zeile ein Rang, ein Name, ein Maß und ein Datum. Ein Register ist ein eigentümliches Schriftstück: Es erzählt nicht, es zählt auf, und die Wiederholungen des Schreibers sind die Stimme des Staates selbst – ein Standard, wiederholt, bis er Tatsache ist. Was bleibt, ist eine Quittung über Hirse, ausgestellt auf namentlich genannte Männer an einem namentlich genannten Posten, und ein Beleg dafür, dass eine Grenzarmee das Korn bis zum sheng rechnete und dann noch einen Rest hinzufügte. Eine Frage kann das Holz nicht beantworten: Wer prüfte die Liste, nachdem das Korn fortgetragen war?
Quellen und weitere Lektüre
- 中央研究院數位典藏與學習聯合目錄「漢簡(簡號:026.021)」 — 释文(《合校》《居延汉简》两本互见)、简形制(长23.5、宽2.8、厚0.3厘米,重4.66克)、出土地内蒙古阿拉善盟额济纳河流域A8破城子、著录于《合校》上册页40与《居延汉简(壹)》页82;释文部分为CC BY-NC-ND 3.0 TW授权,本稿仅作研究引述,不使用其图像
- 《居延汉简甲乙编》电子全文(殆知阁) — 同一份廪食名册的另一版本释文(孔胜之、徐充、乐胜之、桃胜之等行),用于与联合目录释文对读;两本个别字有异(如「郭当/郭常」「马定/厉定」)




